
Gesangsensembles sind beim Schubertiadepublikum beliebt. Der Hausmusikcharakter, aber auch so manche Interaktion zwischen den Publikumslieblingen auf dem Podium erfreuen. Am Dienstagnachmittag fanden sich der Bariton Konstantin Krimmel, wegen einer Beinverletzung sitzend, der Tenor Patrick Grahl und die Sopranistin Erika Baikoff, begleitet am Klavier von Daniel Heide, zusammen, um vor allem Ausschnitte aus den Opern „Die Zwillingsbrüder“ und „Alfonso und Estrella“ darzubieten, zwei der insgesamt teils fragmentarisch erhaltenen siebzehn (!) Opern Franz Schuberts. Dass diese entgegen der gängigen Meinung auch heute spielbar sind, bewiesen in den 1990ern unter anderen Claudio Abbado mit Regisseurin Ruth Berghaus mit der Oper „Fierrabras“ in Wien und Nikolaus Harnoncourt mit Regisseur Marc Arturo Marelli und der Oper „Des Teufels Lustschloss“ sowie mir Regisseur Jürgen Flimm mit „Alfonso und Estrella“ in Wien und Zürich. Beim aktuellen Konzert in Schwarzenberg überzeugte vor allem „Alfonso und Estrella“, eine Art „Romeo und Julia“- Geschichte mit glücklichem Ausgang. Berührend gelang die lebendige Zwiesprache zwischen Vater und Sohn (Konstantin Krimmel als Froila und Patrick Grahl als Alfonso), und bezaubernd die subtil gestaltete Arie der Estrella durch Erika Baikoff. Im Zentrum dieser Oper steht das „Lied vom Wolkenmädchen“, das die Melodie des Liedes „Irrlicht“ aus der „Winterreise“ aufnimmt – eines der Selbstzitate Schuberts. Das Terzett „Der Hochzeitsbraten, das den offiziellen Teil abschloss, ist nur vordergründig lustig, denn vermutlich rechnet sich der Jagdaufseher als Dank für seine Nachsicht beim wildernder Hochzeitspaar spezielle Chancen aus („ das Mädchen ist verzweifelt schön“.) Bei der Zugabe gesellte sich Daniel Heide zu den SängerInnen. Zu viert boten sie die Volksliedfassung vom Schuberts „Lindenbaum“ dar – erneut ein Anklang an den Zyklus „Winterreise“, den am Abend zuvor Christoph Prégardien und Julius Drake interpretierten.
Foto Schubertiade
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