Schubert pur präsentierte die deutsche Sopranistin Nikola Hillebrand dem begeisterten Schubertiadepublikum in Schwarzenberg. Am Klavier Malcolm Martineau.
„Eh logisch“, denkt man, wenn man das reine Schubert-Programm durchliest, das die Sopranistin Nikola Hillebrand am Samstagabend in Schwarzenberg sang. Kenner wissen jedoch, dass Schuberts Lieder gerade für hohe Frauenstimmen nicht leicht sind. Die große Elisabeth Schwarzkopf meinte sogar, eine Sopranstimme sollte von ihnen Abstand nehmen. Dies deshalb, weil Schubert fast alle seine Lieder für Tenorstimme geschrieben hat, somit im Falle einer Sopranstimme der Gesang eine Oktave höher liegt.

Von derlei Grundsatzfragen und Schwierigkeiten merkte man rein Garnichts beim Liederabend von Nikola Hillebrand, dieser großen, schlanken Dreiunddreißigjährigen mit ihrer gewinnenden Bühnenpräsenz. Sie erfreute das Publikum im vollen Angelika-Kauffmann-Saal mit vielen beliebten Schubert-Liedern. Zwischen zwei mediativen Gesängen, „Im Abendrot“ zu Beginn und „Du bist die Ruh“ am Ende des offiziellen Programms spannte sie einen bunten Bogen, in dem Virtuosität ebenso Platz hatte wie Tiefsinniges. Erstere kam zur Geltung in Schuberts italienischer Arie „Vedi, quanto adoro“, zweiteres vor allem in Mignons Liedern aus Goethes „Wilhelm Meister“. Hier und mehrfach bei weiteren mystischen Liedern, wie etwa „Ganymed“ nach Goethe, spürte man eine intensive Hinwendung der Sängerin zum jeweiligen Moment, den sie mit Sorgfalt und Klugheit gestaltete. Es wäre eine Aufgabe für die zukünftige Entwicklung von Nikola Hillebrands Interpretationskunst, auch auf die Grundstimmung jedes Liedes in ihrer Gesamtheit zu achten. Dass diese Stimme sich vom derzeit auf der Opernbühne bevorzugten Fach der Koloratursoubrette ins größere Fach entwickelt, wurde vor zwei Jahren bei den Bregenzer Festspielen klar, als Nikola Hillebrand die Agathe im „Freischütz“ auf der Seebühne überzeugend verkörperte, und es wurde klar beim Konzert in Schwarzenberg, wo sie mit bewunderungswürdiger Atemführung das schwierige Lied „Du bist die Ruh“ gestaltete. Mit dem Pianisten Malcolm Martineau hatte Nikola Hillebrand einen bewährten Partner, der mit ihr atmete und sie auf Händen trug. Er gönnte sich und der Sängerin Momente der Beruhigung und gestaltete seinen Part in jedem Moment mit berückender Musikalität. Mit zwei Zugaben bedankte sich das Duo für den jubelnden Applaus. Dass bei der zweiten, Schuberts „Nacht und Träume“, der Sängerin ein Lapsus passierte, war nur sympathisch.
Foto Webseite der Künstlerin
0 Comments