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Renate Bauer: Lesen und Lesen lassen

Auch die Schauspielerin und Regisseurin Renate Bauer freut sich, nach der Corona-Zeit wieder ihr Publikum „persönlich nähren“ zu dürfen. Tatsächlich sind ihre Matineen mit Literatur und Musik Nahrung für Geist und Herz. So auch das Programm vom gestrigen Sonntag, das sich rund ums Lesen von Büchern drehte.

In den 1990er Jahren kam die Oberösterreicherin Renate Bauer ans Theater für Vorarlberg, spielte bald auch am Theater Sankt Gallen. Nun wirkt sie als Sprechlehrerin und erfreut ein zahlreiches Publikum mit literarisch-musikalischen Programmen, oft zusammen mit ihrem Mann, dem Jazz-Bassisten und Komponisten Rosario Bonaccorso. Kein Wunder, dass Renate Bauer, die vor Enthusiasmus und Ideen nur so sprudelnde Künstlerin, eine der ersten war und ist, die wieder kulturelle Veranstaltungen anbot, alle in der Seekapelle in Bregenz. Diesen Sonntag, als bereits die vierte von fünf Matineen, ging es um das Lesen, und zwar das von Büchern, wenngleich wenige zarte Anspielungen auf unsere heutige Art des Lesens auf elektronischen Medien nicht ausblieben. Doch das Buch wird niemals verschwinden, so waren sich Renate Bauer und Jasmin Ritter, Seite an Seite rezitierend, sicher. Die beiden Schauspielerinnen surften mit einer unnachahmlichen Mischung aus emotionalem Tiefgang und geistvollem Humor durch die Welt des Lesens, räsonieren darüber, was wohl in Erinnerung bleibt von einem gelesenen Buch und ob wir vielleicht alle, wie damals als Kinder, die Lust verspüren, geliebte Texte immer wieder zu lesen. Essays, Gedichte oder Aphorismen von Robert Gernhardt, Kurt Tucholski, Pablo Neruda oder Ingeborg Bachmann wurden durch die Moderationen von Renate Bauer gekonnt verbunden, und schließlich befand man, Loriot folgend, dass ein Fahrplanbuch der Bundesbahn ein sehr hoch zu schätzender Text sei, da er an Klarheit und Präzision nicht zu übertreffen ist. Es war wunderbar, den beiden Damen zuzuhören, denn ihre Stimmen ergänzten sich perfekt. Da war die dunkle, ruhige Sprechweise von Jasmin Ritter einerseits, andererseits die an einen Koloratursopran erinnernde, lebhafte und modulationsreiche Art von Renate Bauer. Und wunderbar passte dazu die Musik, die dargeboten wurde von der helltönenden Barockvioline von Verena Zeisler und dem weichen Klang der Bratsche, gespielt von Lukas Breuss. Die Komponisten der der reizvollen Duette und Soli hießen Carl oder Johann Wenzel Stamitz und Johann Joseph Vilsmayr – letzterer ist ein bayerischer Barockkomponist und ein fast-Namensvetter des berühmten Filmregisseurs.

Schon nächsten Sonntag, dem 21.Juni, gibt es eine weitere Matinee, die der Mystikerin Teresa von Avila gewidmet ist.

 

Foto Renate Bauer: Roberto Cifarelli

Foto Verena Zeisler und Lukas Breuss privat

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