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Musiktheater Vorarlberg mit der Operette “Die Fledermaus” – gewagt und gewonnen

Das Musiktheater Vorarlberg, kurz mtvo, eine seit siebzig Jahren bestehende Bühne, die auch mit Freiwilligen arbeitet und jungen Sängern Chancen gibt, Partien des Repertoires gründlich zu studieren, hat sich in dieser Saison die Operette „Die Fledermaus“ vorgenommen. Es ist eine begeisternde Produktion gelungen, unter der Stabführung des Intendanten Nikolaus Netzer und der Regie von Barbara Herold. Aufführungsort ist die Kulturbühne AmBach in Götzis.

Michaela Breth und Ensemble (Foto mtvo)

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, dieses Duett aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß nennen Viele augenzwinkernd die heimliche Nationalhymne Österreichs, und nach den politischen Ereignissen der letzten Monate, wo eine „b‘soffene Gschicht“ die Bundesregierung zu Fall brachte, würde sich nahezu bruchlos das Finale der Operette als weitere Hymne eignen: „Champagner hat’s verschuldet, tralalalalala“. Auch Regisseurin Barbara Herold lässt sich die aktuellen Bezüge nicht entgehen, installiert in der Amtsstube des Gefängnisses eine Video-Kamera und lässt Eisenstein, als er die vermeintliche ungarische Gräfin erblickt, ausrufen: „Is die schoaf, bist du deppert!“

Barbara Herold hat mit Johanns Strauß‘ Operette „Die Fledermaus“ erneut – nach ihrem gefeierten „Orpheus in der Unterwelt“ von Offenbach vor drei Jahren – eine fabelhafte Inszenierung vorgelegt. Diese punktet durch eine feine und immer wieder ironische Zeichnung der Charaktere, aber auch durch Schwung eine gelungene Dialogregie. Das großteils junge Ensemble setzt dieses tolle Konzept bruchlos um. Großes Lob gebührt Anne Wieben, die als Rosalinde kurzfristig einsprang und brillierte – eine echte Diva, gut aussehend und tadellos singend bis hin zum gar nicht leichten Czardas. Darstellerisch frech und frisch, stimmlich zuweilen etwas scharf, legte Michaela Breth die Partie der Adele an. Die junge Schweizerin Mirjam Fässler faszinierte als androgyner Prinz Orlowksy mit coolem russischen Akzent, ob man allerdings weiter hinten im Saal ihren Mezzosopran hören konnte, ist fraglich. Durchwegs überzeugten die Herren, ob Philippe Spiegel als Eisenstein, Christian Lieb als Alfred, Daniel Raschinsky als Falke oder Johannes Schwendinger als Gefängnisdirektor Frank. Adelheid Bräu hatte mit ihrer Darstellung der Gefängniswärterin Frau Frosch viele Lacher, doch warum sprach sie ungeniertes Niederbayerisch anstatt Wienerisch? – Das hätte man doch dramaturgisch irgendwie begründen müssen. Kathrin Signer als Ida und Reinhard Razen als Blind und Ivan ergänzten die Truppe stimmig. Der gute Eindruck des Ensembles ist auch den stimmigen Kostümen zu danken, entworfen von Nicole Wehinger.

Dass sich das Musiktheater Vorarlberg, das mit einem eher knappen Budget, aber mit dem Idealismus vieler Freiwilliger an die Aufgabe wagen konnte, dieses keineswegs leichte Werk zu realisieren, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass es sein Niveau in den vergangenen Jahren konsequent gesteigert hat. Das Orchester hat viel Schwung und spielt unter den Händen von Nikolaus Netzer dynamisch fein gestuft, und Netzer leitet auch die Gesangsensembles sicher und differenziert, bis hin zum seligen „Duidu“, in das man sich auch vom Publikum aus richtig hineinfallen lassen konnte. Ein dickes Bravo an den Chor, der von Darina Naneva-Ivov präzise einstudiert und von der Regie klug geführt wurde. Somit gelang eine Produktion, die sich unter den Musiktheaterproduktionen im Ländle, ob Festspiele oder Landestheater, durchaus nicht verstecken muss und die das Publikum in Götzis zu Standing Ovations hinriss.

Termine  und Tickets www.mtvo.at

 

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