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Schubertiade: Von der Magie des Wiederhörens zum ersten

Die schöne Müllerin faszinierend neu gedeutet durch Kristian Bezuidenhout und Julian Prégardien

Erst zu Anfang des Monats sang der Tenor Ilker Arcayürek Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“ im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. Nun, am Samstagabend, interpretierte sein Fachkollege Julian Prégardien dort dasselbe Werk. Die zwei Tenöre sind übrigens beide im Jahr 1984 geboren. Wenn sich nun jemand gefragt hat: „Warum schon wieder?“, so lieferte Prégardiens Deutung die Antwort, denn die bekannten Lieder erklangen erfrischend anders. Schon der Klavierpart ließ vom ersten Ton an aufhorchen, denn Kristian Beziudenhout spielte ihn auf einem Hammerflügel, der mit seiner markanten Bassregion und seiner aufregenden Trennschäfte ein wunderbares Klangbild bot. Es erlaubte dem Sänger zudem, in feinste Pianoregionen zu gehen. Wobei jeder auch nur halbwegs Geschulte weiß, dass Pianosingen nicht einfach leise Sein bedeutet, sondern eine hervorragende Atemführung voraussetzt. Mit den mannigfachen Ausdrucksfarben seiner Stimme zeichnete Julian Prégardien die zärtlichen und resignierenden Emotionen des verliebten Müllerburschen ebenso wie er die Wut auf seinen Rivalen geradezu herausbrüllte. Neu an Prégardiens Interpretation waren auch die ziemlich weitgehenden Varianten in der Melodie bei den Strophenliedern, die er mit großer Stilsicherheit wagt – Prégardien ist ja derzeit einer der gefragtesten Interpreten Alter Musik und daher mit Verzierungen wie auch Improvisation wohlvertraut. Da war es nur noch eine Kleinigkeit, dass er sowohl mit seinem Outfit als auch seinem behutsamen Einsatz von Mimik und Bewegung auch eine optische Komponente anbot. So erlebte das fachkundige Publikum, das diesen Liederzyklus wohl schon mehrfach gehört – oder selbst gesungen beziehungsweise gespielt hat – eine neue, faszinierende Variante, die es mit frenetischem Applaus feierte.

Foto: Schubertiade

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