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Landeskonservatorium Vorarlberg führt “Ein deutsches Requiem” von Johannes Brahms aus


 

“Andere gehen heute auf den Ball, wir ins Requiem”, meinte ein Herr aus dem Publikum schmunzelnd. Genau: mitten im Fasching befasste sich das Vorarlberger Landeskonservatorium mit der Endlichkeit des Menschen und führte „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms auf. Im Zentrum dieses beeindruckenden Werkes steht der Chor, der originale Orchesterpart war zwei Klavieren und einer Pauke anvertraut, dies in einer Fassung von Heinrich Poos.

„Mich hat dieses Requiem ergriffen wie noch nie eine Kirchenmusik“, notiert die mit Johannes Brahms so eng verbundene Clara Schumann. „Ein deutsches Requiem“ ist auch keine Kirchenmusik. Es ist überkonfessionell, beschwört an keiner Stelle die Schrecken ewiger Verdammnis, und der Name Jesus Christus kommt nicht vor. Aber immer wieder fällt das Wort „Trost“, und allein die wunderbar fließenden Klänge, die Brahms gefunden hat, aber auch die machtvollen Steigerungen, spenden „großen Trost“. Wunderbar ist auch der Text, den Johannes Brahms, der religiöse Zweifler, selbst aus der Bibel zusammengestellt hat. So hatte das Werk auch am Samstagabend im Festsaal des Landeskonservatoriums seine Wirkung, und das Publikum, das zahlreicher hätte sein können, spendete enormen Applaus. Der Chor, bestehend aus Studierenden aller Klassen, hat die Partitur blitzsauber und strahlend realisiert, und begeisternd gut haben Anna Adamik und Gerhard Vielhaber, Klavier und Martin Kolfhaus an den Pauken gespielt. Eine große Leistung also der Studierenden und der beiden Lehrenden an den Klavieren! Doch es blieben einige Wünsche offen, und diese seine genannt, weil sie auf das Konto der jeweiligen Lehrkräfte gehen.

Dirigent Benjamin Lack

Als Chorleiter und Dirigent der Aufführung wurde Benjamin Lack von vielen Hörern gelobt, einerseits zu Recht. Aber um eine wirklich gültige Interpretation des Werkes zu bieten, hätte es noch viel mehr Feinarbeit in Richtung Dynamik, Textausdeutung und Klangbalance bedurft. Doch wie soll Benjamin Lack sich wirklich in die Werke vertiefen, wenn er binnen drei Monaten diesen Brahms dirigiert, dann fast gleichzeitig den Chor für Beethovens „Fidelio“ einstudiert und schon im März ein weiteres Opus magnum, nämlich Bachs „Matthäuspassion“ aufführt. Da realisiert man halt die Noten und bleibt ansonsten an der Oberfläche – wie schade für die Ausführenden und für die Zuhörer! Die beiden Gesangsolisten bei Brahms‘ Requiem suggerierten leider ähnliche Gedanken, denn an diesem Haus wird generell zu früh zu Großes gemacht. Beide, sowohl Kathrin Signer, Sopran, als auch Baritonsolist André Sesgör gaben ihr Bestes, zeigten Musikalität und gestalterische Begabung, doch die Sopranistin hätte ihre Arie wesentlich schlanker angelegen müssen, und der – im Programm ungenannte – Lehrer oder die Lehrerin des Bariton sollte dem jungen Mann zuerst einen soliden Stimmsitz beibringen, ehe er oder sie ihn an Partien dieses Kalibers lässt.

 

 

 

 

 

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