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In letzter Minute oder für die Zeit nach dem Fest

Über den lokalen Buchhandel könnte man es noch vor Weihnachten bekommen, aber auch nach dem alles bestimmenden Fest lohnt es sich, sich in dieses Buch zu vertiefen.

 

 

Constanze Neumann: Der Himmel über Palermo. Blandine von Bülows große Liebe. Goldmann Verlag 

 

Der Himmel über Palermo - Neumann, Constanze

Skandalös empfand nicht nur die Musikwelt die Verbindung zwischen Cosima von Bülow und Richard Wagner. War doch Cosima, die Tochter von Franz Liszt, noch rechtmäßig mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet, als sie schon mit Richard Wagner zusammenlebte und diesem den Sohn Siegfried gebar. Ihre beiden Töchter aus der Ehe mit Hans von Bülow, Blandine und Daniela, fielen, sicher auch wegen dieser Geschichten, bislang in der öffentlichen Wahrnehmung zurück. Die deutsche Autorin Constanze Neumann, geboren 1973, widmete ihren ersten Roman nun Blandine von Bülow und greift dabei auf ihre persönlichen Erfahrungen mit Sizilien zurück. Denn der Roman Der Himmel über Palermo erzählt im wesentlichen von diesem Winter 1881, in dem Richard Wagner in der Sizilianischen Hauptstadt seinen Parsifal vollendete. Das geschah vor allem im exklusiven Hotel Des Palmes, geführt vom berühmten Hotelier Enrico Ragusa. Constanze Neumann hält sich an die überlieferten Aufzeichnungen von Cosima Wagner, erlaubt sich aber auch einige Zuspitzungen im Sinne der Gattung Roman. Was sich auf dem Buchdeckel in Titel und Optik so lieblich präsentiert, bleibt nicht lange so. Von der Gegend „ohne Winter“, wie Blandine Sizilien zuerst schwärmerisch nennt, entwickeln sich die inneren und äußeren klimatischen Bedingungen zu dem, was Enrico Ragusa „Überschwang“ und dann sogar „Schrecken“ nennt. Dabei hat Constanze Neumann auf all das einen eher nüchternen Blick, auch die im Mittelpunkt stehende Liebesgeschichte zwischen Blandine und dem Grafen Biagio Gravina wird eher distanziert geschildert. Sicher hat die Autorin die weitere Entwicklung dieser Verbindung im Auge, denn die Ehe verlief nicht glücklich. Trotz seiner vornehmen Abstammung hatte Gravina wenig finanzielle Mittel, was ihn wiederum in Depressionen und einen frühen Tod trieb. Blandine selbst blieb in Italien und widmete sich ihren vier Kindern, hielt aber regen Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie und wurde Ehrenbürgerin von Bayreuth.

 

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