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Händels Belshazzar am Opernhaus Zürich: Bildmächtiges Oratorium

 

Immer wieder werden Georg Friedrich Händels Oratorien auf die Opernbühne gebracht. Eine besonders bildmächtige Inszenierung des Oratoriums „Belshazzar“, das Händel im März 1745 in London herausbrachte, erarbeitete der prominente Opern- und Schauspielregisseur Sebastian Baumgarten am Opernhaus Zürich, eindrucksvoll unterstützt von der Bühnenbildnerin Barbara Steiner und den Kostümen von Christina Schmitt.

Die Geschichte des babylonischen Königs Belshazzar aus dem Alten Testament ist dramatisch und hat in der Vergangenheit mehrere Künstler angeregt – sehr bekannt ist das Gemälde von Rembrandt und das Gedicht von Heinrich Heine, das Robert Schumann vertont hat. Belshazzar (die deutsche Schreibweise ist Belsazar) hat für ein Gelage die heiligen Gefäße aus dem Tempel Jehovas in Jerusalem missbraucht. Auf dem Höhepunkt der Orgie erscheinen an der Wand die rätselhaften Worte „Mene Tekel Upharsin“ Die babylonischen Gelehrten können sie nicht deuten, wohl aber der jüdische Prophet Daniel. Seine Deutung erfüllt sich, Belshazzar wird umgebracht, die Perser übernehmen die Macht in Babylon und entlassen die gefangenen Juden in ihre Heimat. Welcher Regisseur wurde sich bei dieser Geschichte die Bezüge in die jetzige Weltlage entgehen lassen? Sebastian Baumgarten und sein Team tun dies mit einer erschütternden Bilderwelt. Einblicke in Städte des Nahen Ostens, seien sie intakt oder zerbombt, sieht man ebenso wie Bilder der Umweltzerstörung und schließlich des Weltuntergangs (Videos Hannah Dörr).

Die Regie glaubt nicht an ein glückliches Ende der Geschichte, wie es die Partitur vorgibt, wie sie auch an der Handlung minimale Änderungen vornimmt, und auch Händel und sein Librettist Charles Jennens hat sich nicht genau an die Biblische Erzählung gehalten.

Wünsche bleiben offen, was die Personenführung betrifft, doch hier zeigt sich, dass das Werk eigentlich fürs Konzertpodium gedacht ist. Über jegliche Kritik erhaben ist die musikalische Seite der Aufführung unter der Gesamtleitung von Laurence Cummings. Die machtvollen Chöre machen einen großartigen Eindruck und bilden den roten Faden durch das Werk. Ebenfalls zentral ist die Figur der Mutter Belshazzars, Nitocris, (Layla Claire), die zwischen der Sympathie zum jüdischen Glauben und der Liebe zu ihrem Sohn zerrissen ist. Dieser ist Mauro Peter, gesanglich super, aber zu sympathisch für den Tyrannen. Ein großartiges Zürich-Debüt liefert der Countertenor Jakub Josef Orlinski in der Rolle des Retters Cyrus. Es vermag seine Stimme zu dramatischer Wucht zu steigern und hat eine eindrückliche Bühnenpräsenz. Und mit der Deutung der rätselhaften Schrift gestaltet Tuva Semmingsen als Daniel den musikalischen Höhepunkt. Die dänische Altistin gestaltet ihren Part ruhig und ist somit ein Prophet, dem man aktiv lauschen muss, damit man ihn hört – ein wundervoller Gedanke. Vorstellungen noch bis einschließlich 6.Dezember

Immer wieder werden Georg Friedrich Händels Oratorien auf die Opernbühne gebracht. Eine besonders bildmächtige Inszenierung des Oratoriums „Belshazzar“, das Händel im März 1745 in London herausbrachte, erarbeitete der prominente Opern- und Schauspielregisseur Sebastian Baumgarten am Opernhaus Zürich, eindrucksvoll unterstützt von der Bühnenbildnerin Barbara Steiner und den Kostümen von Christina Schmitt.

Die Geschichte des babylonischen Königs Belshazzar aus dem Alten Testament ist dramatisch und hat in der Vergangenheit mehrere Künstler angeregt – sehr bekannt ist das Gemälde von Rembrandt und das Gedicht von Heinrich Heine, das Robert Schumann vertont hat. Belshazzar (die deutsche Schreibweise ist Belsazar) hat für ein Gelage die heiligen Gefäße aus dem Tempel Jehovas in Jerusalem missbraucht. Auf dem Höhepunkt der Orgie erscheinen an der Wand die rätselhaften Worte „Mene Tekel Upharsin“ Die babylonischen Gelehrten können sie nicht deuten, wohl aber der jüdische Prophet Daniel. Seine Deutung erfüllt sich, Belshazzar wird umgebracht, die Perser übernehmen die Macht in Babylon und entlassen die gefangenen Juden in ihre Heimat. Welcher Regisseur wurde sich bei dieser Geschichte die Bezüge in die jetzige Weltlage entgehen lassen? Sebastian Baumgarten und sein Team tun dies mit einer erschütternden Bilderwelt. Einblicke in Städte des Nahen Ostens, seien sie intakt oder zerbombt, sieht man ebenso wie Bilder der Umweltzerstörung und schließlich des Weltuntergangs (Videos Hannah Dörr).

(Bilder auf www.opernhaus.ch)

Die Regie glaubt nicht an ein glückliches Ende der Geschichte, wie es die Partitur vorgibt, wie sie auch an der Handlung minimale Änderungen vornimmt, und auch Händel und sein Librettist Charles Jennens hat sich nicht genau an die Biblische Erzählung gehalten.

Wünsche bleiben offen, was die Personenführung betrifft, doch hier zeigt sich, dass das Werk eigentlich fürs Konzertpodium gedacht ist. Über jegliche Kritik erhaben ist die musikalische Seite der Aufführung unter der Gesamtleitung von Laurence Cummings. Die machtvollen Chöre machen einen großartigen Eindruck und bilden den roten Faden durch das Werk. Ebenfalls zentral ist die Figur der Mutter Belshazzars, Nitocris, (Layla Claire), die zwischen der Sympathie zum jüdischen Glauben und der Liebe zu ihrem Sohn zerrissen ist. Dieser ist Mauro Peter, gesanglich super, aber zu sympathisch für den Tyrannen. Ein großartiges Zürich-Debüt liefert der Countertenor Jakub Josef Orlinski in der Rolle des Retters Cyrus. Es vermag seine Stimme zu dramatischer Wucht zu steigern und hat eine eindrückliche Bühnenpräsenz. Und mit der Deutung der rätselhaften Schrift gestaltet Tuva Semmingsen als Daniel den musikalischen Höhepunkt. Die dänische Altistin gestaltet ihren Part ruhig und ist somit ein Prophet, dem man aktiv lauschen muss, damit man ihn hört – ein wundervoller Gedanke. Vorstellungen noch bis einschließlich 6.Dezember.

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