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Frauen und Musik – ein Symposion


Beatrix Borchard, Freia Hoffmann. Monika Oebelsberger, Wolfgang Ellenberger, Poetic Pilgrimage

Im Rahmen des Festivals Frauengeschichten, das das Frauenmuseum Hittisau (Bregenzerwald) und das Vorarlberger Landeskonservatorium in seiner Reihe Musik in der Pforte ausrichtet, erlebte man am Samstag ein Symposion mit dem Thema Frau und Musik.

Eigentlich sollte Frau und Musik in unserer Zeit kein mehr Thema sein, denn Frauen sollten längst gleichberechtigt sein und außerdem geht es in der Musik um künstlerische Qualität und nur um diese. Doch es ist einfach Tatsache, dass auch heute die Frauen in der Mitte der Musik noch nicht angekommen sind. Zwar gibt es viele Frauen in den professionellen Orchestern (zum Beispiel sehr viele im Symphonierochester Vorarlberg), und das endlich auch in den Traditionsorchestern, die sich allzu lange dagegen gewehrt haben. Aber wie viele Dirigentinnen gibt es? Oder wie viele Komponistinnen, obwohl die vermutlich herausragendste Komponistenpersönlichkeit weltweit eine Frau ist, nämlich Sofia Ghubaidulina.

Beim Symposium in Hittisau ging vor allem Freia Hoffmann, Professorin für Musikwissenschaft und Leiterin des Sophie Drinker Institutes in Bremen, auf diese Thematik ein, wies aber zurecht darauf hin, dass das Bewusstsein für die Genderproblematik in der Musik wie auch generell derzeit am Abnehmen ist. Wachsamkeit ist also gefordert! Beatrix Borchard, Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, stellte die von ihr initiierte und geleitete Internetplattform MUGI vor, eine breit aufgestellte Datenbank zum Thema Musik und Gender. „Wir fragen nicht, wer sind die zehn Besten oder die hundert Besten, jede und jeder findet bei uns Eingang“, stellt sie klar und spricht hier ein Thema an, das für das Internet und unsere Zeit generell gilt.

Endlich sei nun Evelyn Fink-Mennel genannt, die das Symposium kuratiert hat und es auch mit viel Herzblut moderiert hat. Mit Studenten und Studentinnen (Anna Zimmermann, Kathrin Signer, Samuel Eder, Sebastian Koniezki) musizierte sie traditionelle Lieder aus dem Bregenzerwald, die sich mit dem Verhältnis der Geschlechter zueinander befassten. Besondere Aufmerksamkeit, auch in der anschließenden Diskussion, erregte ein Lied, das die traditionellen Rollen kurzerhand umkehrte: die Frau geht ins Wirtshaus, der Mann hat die Hausarbeit zu verrichten.

Über die Rolle der Frau bei der Kindererziehung in der Vergangenheit und damit ihre Bedeutung für die frühe Hinführung von Kindern zur Musik, zum Gesang und zu Klängen sprach Monika Oebelsberger, die am Salzburger Mozarteum lehrt.

Nach dem liebevoll bereiteten Mittagessen ging es mit einem Referat weiter, das Bezug nahm auf die aktuelle Ausstellung im Frauenmuseum Pflege das Leben. Wolfgang Ellenberger, Arzt und Musiktherapeut, ließ zu Beginn seiner Referats mit Äußerungen aufhorchen, die Spiritualität, Gefühle und Inspisration der verstandesbetonten Wissenschaft gleichsetzten, ja über sie stellten. Leider lief das Ganze dann auf die Anpreisung eines digitalen Systems hinaus, mit dem Demenzkranke mit Musik berieselt werden, die – allerdings – ihren früheren Musikgeschmack gemäß, für sie ausgewählt wurden. Ich wage einzuwenden, dass aufwändiger, aber wesentlich besser das direkte Singen oder Musizieren mit den oder für die alten Menschen ist, wie es etwa die Bewegung Live Music Now praktiziert.

Schließlich legte Ana Sobral von der Uni Zürich ein Schlaglicht auf die aktuelle Popkunst des Rappens. Diese erfordert keine komplizierte Musikausbildung und ist daher Vielen zugänglich. Sie ist aber generell männlich, ja machohaft konnotiert. Sobral zeigte verschiedene weibliche Rapperinnen und hat auch gleich welche eingeladen, nämlich das Duo Poetic Pilgrimage aus Großbritannien. Das Gespräch mit diesen beiden Damen konnte ich zu meinem großen Bedauern nicht miterleben, denn ich war für das Nachmittagskonzert bei der Schubertiade Schwarzenberg akkreditiert. Dort gab es übrigens acht Mitwirkende (man spielte Schuberts Oktett), und immerhin drei davon waren Frauen.

 

   Last but not Least: Evelyn Fink-Mennel

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