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Finale Bregenzer Meisterkonzerte mit Duo-Rezital

Wirklich meisterlich muszierten Lisa Batiashvili, Violine und Giorgi Gigashvili, Klavier im ausgebuchten Festspielhaus Bregenz.

Noch bevor die beiden Künstler das Podium betraten, leuchtete auf der Bühnenrückwand eine Projektion auf, die den ganzen Abend bleiben sollte. Es war ein Bild aus der Serie „Blumen aus Plastik“ der aus Bregenz stammenden Medienkünstlerin Claudia Larcher. Dieses faszinierende Werk soll eine „Verbindung von darstellender und bildender Kunst sichtbar“ machen. Perfekt wäre es gewesen, wenn das Kleid von Lisa Batiashvili darauf abgestimmt gewesen wäre, denn das farbstarke Bild Larchers hat die zart-duftige Robe der Geigerin förmlich erschlagen. Vielleicht wollte man mit dieser Projektion von dem Vorwurf ablenken, dass das Bregenzer Festspielhaus zu groß sei für Kammermusik. In der Tat klang im ersten Teil des Konzertes die Guarneri „del Jesu“ von Lisa Batiashvili manchmal allzu zart. (Vielleicht sind wir hier in Vorarlberg verwöhnt durch die Schubertiade, die Kammerkonzerte auf diesem Niveau in dafür idealen Sälen anbietet. Doch in Metropolen ist es gang und gäbe, dass mit dergleichen Besetzungen in großen Sälen musiziert wird.)

 

Überraschend wie der Bühnenhintergrund war auch der nicht im Programm befindliche Beginn des Konzerts mit Claude Debussys Instrumentalfassung des Liedes „Beau soir“. Dieses Motto versprach nicht zu viel, denn ein „schöner Abend“ folgte tatsächlich, mehr noch, ein meisterhaft musiziertes und höchst vielschichtiges Konzert: Beethovens Sonate Opus 12/3 in A-Dur bildete den energiegeladenen Beginn, wo, und das ist von der Komposition her so intendiert, der Pianist Giorgi Gigashvili brillieren durfte. Ganz anders, sehr schwerblütig und immer wieder auch aufgewühlt, zeigte sich die Violinsonate Nr. in f-Moll von Sergei Prokofiev. Im stalinistischen Russland 1946 von David Oistrach uraufgeführt und von diesem sehr geschätzt, ist die Sonate mit ihren klangmalenden Effekten nahe an Filmmusik. Aus ihrer georgischen Heimat brachten die beiden Musiker ein Stück von Josef Bardanashvili mit, das er dem 2019 verstorbenen, bedeutenden Komponisten Giya Kancheli gewidmet hat. Es war ein lyrisches, nah an der Volksmusik befindliches Stück, das die beiden wunderbar zart spielten. Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili fanden auch den richtigen Ton für die bedeutende Sonate in A-Dur für Violine und Klavier von César Franck, und hier war die große romantische Geste gefordert, aber auch ein sicheres Formgefühl. Denn durch die vier Sätze dieses Werks zog sich eine „Idee fixe“, ein einziger musikalischer Grundgedanke. So erlebte das Publikum am Samstagabend zum Abschluss der Saison der Bregenzer Meisterkonzerte ein wunderbares Konzert, das begeistert gefeiert und mit zwei Zugaben bedankt wurde. Beide Künstler sind in Vorarlberg übrigens keine Unbekannten. Die 1979 geborene Lisa Batiashvili, ein der besten Geigerinnen, wenn nicht die beste derzeit, war schon als Teenager Solistin beim Arpeggione-Orchester in Hohenems und seither unter anderem bei der Schubertiade und den Meisterkonzerten zu Gast, und der sechsundzwanzigjährige Giorgi Gigashvili ließ neulich mit einem fantastischen Klavierabend bei Dornbirn Klassik aufhorchen.

Foto Udo Mittelberger

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