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Die Krise trifft alle, Kleine wie Große

 

Das Gebäude des einstigen Jesuitenkollegs Stella matutina, jetzt Landeskonservatorium und einer der Konzertorte in Vorarlberg

Der Zeitpunkt für das Gespräch mit Winfried Nussbaummülller, dem Leiter des Kulturamtes der Vorarlberger Landesregierung, war gut gewählt, denn am Tag des Gesprächs, dem 10.April, wurde bekanntgegeben, dass diese ihre Förderinstrumente für die Kulturschaffenden erweitert: 150.000 Euro liegen bereit.

Die Corona-Krise trifft de Kulturschaffenden des Landes hart, denn sie sind fast alle freiberuflich tätig und werden pro Projekt bezahlt. Nun hat das Land für diese Menschen seine Fördermittel erweitert.

Die Kulturabteilung des Landes unter Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink hat zwei konkrete Förderinstrumente bereitgestellt. Zum einen sind das die Atelierförderungen. Solche gab es bisher für bildende Kunst, nun öffnen wir sie für alle Sparten. Konkret sind es 180,00 Euro pro Monat über ein halbes Jahr. Zum anderen gibt es Arbeitsstipendien, die einen künstlerischen Prozess zielgenau unterstützen. Etwa eine dramaturgische Arbeit bei Theater- oder Tanzprojekten, im Bereich der Musik eine Komposition, oder eine Recherche für ein literarisches Werk. Hier gibt es 1000,00 Euro. Grundsätzlich gilt, dass vor allem der Bund taugliche Instrumente zur Verfügung gestellt hat, um die Krise mindestens abzufedern, etwa Härtefallfonds der Künstler-Sozialversicherung oder Anlass bedingte Sondertöpfe der Interessensvertretungen. Links dazu finden sich auf den Webseiten der Landesregierung wie auch des Bundes-Innenministeriums.

Und wie läuft es derzeit für die Kulturveranstalter?

Die Krise trifft die Großen wie die Kleinen. Die Bregenzer Festspiele, die Kulturhäuser bis zu jeden kleinen Kulturverein. Für sie alle bleibt der Jahresförderbetrag aufrecht, trotz Absagen. Denn es gibt Vorleistungen wie Proben, oder zum Teil werden Gagen prozentuell ausbezahlt. Jedoch kompensiert das Land nicht automatisch Ausfälle. Daher sind alle Kulturveranstalter aufgefordert, die Angebote des Bundes oder der Kammern zu nutzen: Beispielsweise sind die Kulturhäuser in Kurzarbeit, auch die Festspiele. Letztere geben übrigens am 30.Mai bekannt, ob in diesem Jahr gespielt wird, in Abstimmung mit den Salzburger Festspielen.

Generell werden manche Veranstaltungen abgesagt, manche verschoben. Ich erwarte einen Stau von Terminen im Herbst.

Können wir das Kulturleben überhaupt in dieser Intensität fortsetzen?

Das Kulturleben wird sich sehr rasch erholen. Wir spüren selbst in der Krise, dass die Kultur immer wieder Ventile findet, sichtbar beziehungsweise erlebbar zu sein. Wir erleben derzeit vermehrt Vernetzungen oder digitale Plattformen. Das Land fördert übrigens auch Kunstformen im Web, sofern diese einen Mehrwert bringen.

Ist es aber nicht auch eine Gefahr, dass man sich dran gewöhnt, Kultur digital und nicht real zu konsumieren?

Gerade Theater und Musik leben stark von Echtzeit, die unmittelbare Betroffenheit lässt sich virtuell nicht gleichwertig erreichen. Ich glaube nicht, dass wir auf die echten Aufführungen verzichten werden, denn der Kulturbetrieb ist unglaublich vital. Schauen Sie sich die Fülle des Angebots an, das wir aktuell hatten. Und alles findet sein Publikum, freilich mal leichter, mal schwieriger.

Das klingt als ob Sie die Zukunft der kulturellen Welt in unseren Breiten die Zukunft positiv sehen?

Kunst und Kultur sind eine unglaubliche Bereicherung unserer Gesellschaft, gerade in der Fähigkeit, Perspektiven zu ändern beziehungsweise Dinge neu zu bewerten. Kunst und Kultur sind prädestiniert im Umgang mit Krisenbewältigung. Ich bin sehr positiv gestimmt, dass wir aus der Krise gestärkt herauskommen, denn das gehört zu den wesentlichen Kompetenzen der Künstler. Also bitte keine Schwarzmalerei, sondern Zuversicht!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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