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Bei einer schönen Arie sterben

 

 

László Polgár über Harnoncourt

 

Dieses Gespräch fand im November 2008 in der Opernkantine in Zürich statt. Im September 2010 ist László Polgár mit nur 63 Jahren verstorben. Lieder nicht während einer schönen Arie, wie er es sich hier gewünscht hat.

 

Anna Mika: Meine erste persönliche Erinnerung an Sie in einer von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Oper war der Leporello in der Gedenkaufführung „Don Giovanni“ für Jean-Pierre Ponnelle am 25.Januar 1989

 

László Polgár: Das war meine erste Premiere mit Nikolaus. Meine erste Begegnung als Dirigent war in der Zauberflöte, auch eine Ponnelle- Inszenierung.

 

Die kenne ich sehr gut.

 

Ich habe nicht die Premiere gesungen, da war Matti Salminen der Sarastro, aber der Intendant, Herr Dr. Drese, hat mir ein paar Vorstellungen gegeben. Dort habe ich NH kennengelernt

 

Wie war das damals, war es eine Liebe auf den ersten Blick?

 

Ja das war es, und zwar beidseitig.

 

Eben, ich interviewe ja lange nicht alle Leute die mit NH je gearbeitet haben. Doch Sie wollte ich unbedingt interviewen, denn ich hatte immer den Eindruck dass Sie beide zusammen einen sehr guten Draht hatten

 

Ja, wir sprechen dieselbe Musiksprache, und ich bin einfach begeistert über das was er weiß. Und ich bin nicht nur begeistert von ihm als Musiker und Dirigent, sondern als Mensch, als Human, seine Humanität, die ist unglaublich. Er hat mich nie um musikalische Dinge gefragt die ich nicht machen konnte, er spürt dass alle Grenzen haben, und er weiß, was innerhalb dieser Grenzen machbar ist. Es gibt wenige Dirigenten, die so gut die menschliche Stimme kennen wie er, und das ist sehr, sehr wichtig. Er singt ja auch mit, und er atmet mit. Er hat die Fähigkeit zu spüren in welchen Zustand man aktuell ist.

 

Wenn Sie nicht so gut oder auch besonders gut drauf sind…

 

….dann dirigiert er ein bisschen schneller oder ein bisschen langsamer

 

Aber nur in Nuancen!

 

Selbstverständlich, aber diese Nuancen sind es, die die Kunst ausmachen. Die Kleinigkeiten entscheiden, ob einer eine Meister ist oder ein Genie.

 

Wegen des Tempos, da gibt es ja die Registerarie des Leporello…

 

…das war nicht einfach, mich zu überzeugen…

 

…ich weiß denn ich war in dieser Probe, Sie wollten es schneller, und er sagte, dann wird es Rossini, und das will er auf keinen Fall.

 

Nein, er wollte es überhaupt außerhalb des Tempos, ich sollte die ersten Wörter praktisch außerhalb der Musik sagen, wirklich den Einsatz verspäten. Und ich hatte Angst, der Kritiker schreibt: Polgar hat keinen Rhythmus.

 

Da hat auch Rodney Gilfry davon erzählt, dass ihn diese Registerarie total fasziniert hat, weil die Sprache, die Gesangstimme, locker über der Musik gelegen ist.

 

Es war deswegen auch nicht einfach, denn dadurch musste ich ihn immer beobachten. Und ich bin ein Schauspieler, der singt, und wenn ich dauernd den Dirigenten anschauen muss, dann ist es schwierig. Ich habe das dann so gelöst, dass ich ihn aus den Augenwinkeln angesehen habe. Aber er ist der einzige Dirigent, der nicht auf dem Augenkontakt besteht.

 

Man kann das ja auch im Gefühl haben.

 

Genau, und ich habe sein Vertrauen. Er weiß, dass ich es korrigieren kann, wenn etwas passiert.

 

Mit dem Leporello hat es etwas Besonderes auf sich, nämlich dass er in einem bestimmten Punkt der Oper mit Din Giovanni austauschbar wird. Wenn Sie Leporello waren, habe ich das besonders gut nachvollziehen können.

 

Da muss ich eine Geschichte erzählen. Es war meine erste Begegnung mit Ponnelle, und JPP und NH waren immer zusammen. Aber das, was ich jetzt meine, war nicht eine Produktion mit NH, sondern mit Barenboim und JPP in Paris, und ich musste mich mit Ponnelle in einem Hotel in New York treffen. Er war schon auf dem Flur, und als er mich kommen sah, sagte er: „Wer nahet, mein Leporello oder mein Giovanni?“ Das war vor 25 Jahren. Da hatte ich noch dunkle Haare und war ein sehr gut aussehender Mann….

 

Das kann ich nur bestätigen!

 

(Lacht geschmeichelt). Ich sagte drauf: ich glaube ich bin als Leporello geplant..

 

…nun, Giovanni wäre nicht Ihr Fach, nicht wahr?

 

Oh doch, es gibt eine Aufnahme, da singe ich die drei Partien: Leporello, Giovanni und Komtur.

Und als Ponnelle mich also sah, war sein Konzept sofort fertig. Er hat mir gesagt: Sie sind größer als Ferruccio Furlanetto, der Giovanni. Und es ist so, dass der Schatten immer größer ist als der Mensch!

 

Also kann man davon ausgehen, dass – das habe ich jetzt auch schon in anderem Zusammenhang gehört -, Regisseure sich von den Persönlichkeiten der Sänger leiten lassen?

 

Schauen Sie, das Problem ist, es gibt heute so wenige gute Dirigenten, und wir erleben zur Zeit die Diktatur der Regisseure. Und die meisten Regisseure kommen vom Schauspiel, können meistens nicht Notenlesen und haben bei der Arbeit ein CD-Heft in der Hand, also auf der einen Seite Originalsprache und auf der anderen die deutsche Übersetzung. Ich hasse das!

 

Man spürt das dann auch, weil oft die Bewegung nicht mit der Musik einhergeht.

 

Richtig, und Ponnelle hatte nicht nur der Klavierauszug in der Hand, sondern die Partitur. Aber er war einzige in meiner Karriere, der das hatte.

 

Jürgen Flimm dann nicht mehr?

 

Ich bin nicht überzeugt dass er Noten lesen kann! Aber er ist ein guter Theatermensch, und er hat einen eigenen Humor, ich mag ihn sehr. Und er ist selbstkritisch.

 

Ja, er hat mir auch in meinem Gespräch mehrmals gesagt; das oder das ist nicht gelungen.

 

War Flimms Leporello anders?

 

Ich wollte eigentlich tabula rasa machen. Mein erster Leporello war mit Lubimov, das ist ein berühmter russischer Regisseur, er wurde von Breschnew des Landes verwiesen. Ich bin ihm in Budapest begegnet, er war verheiratet mit einer Ungarin. Mein erster Leporello war also mit ihm, mein zweiter schon mit Ponnelle. Dann waren andere, München…..,fast überall. Jetzt singe ihn nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nichts mehr Neues aus der Partie herausholen. Ich habe vor wenigen Monaten den Komtur in Ungarn aufgenommen, Furlanetto war der Leporello.

 

______________Über Furlanetto, den mein Sohn auch kennt, schweift das Gespräch ab zu gemeinsamen Freunden in Salzburg_______________________

 

 

 

Ich kenne Harnoncourt seit 1986, und er ist heute so jung wie damals, hat sich nicht verändert.

 

Wie macht er das nur?

 

Er wird 80, ich kann es nicht glauben! Und er trägt immer dasselbe Hemd und dieselbe Hose, und immer ist bei ihm die Alice.

 

Man kommt auch nur über sie zu ihm! Eine einmalige Symbiose!

 

Und berührend! Sie tut alles für ihn, macht die Assistenz in den Proben, trägt seine Sachen, seine schweren Taschen!

Und ich glaube NH hat ein nicht alltägliches Gehirn. Irgendwo hat er einen Kotakt mit dem Gott…., ich weiß nicht….., sicher. Denn er schaut in eine Partitur und sieht nicht das gleiche wie die anderen Musiker alle.

 

Und das sind die wichtigen Dinge!

 

Er ist so vorbereitet, und hat über alle Takte etwas notiert!

 

Und sein Humor!

 

Darum sage ich, ich weiß nicht ob ich ihn als Musiker oder als Mensch mehr liebe. Das ist eine Einheit. Aber seine menschlichen Qualitäten schätze ich sehr.

 

Hoffentlich bleibt er uns noch sehr lange erhalten.

 

Er wird in Ewigkeit leben! Oder wenn er Glück hat, wird er in einer Vorstellung sterben, das wünsche ich ihm, denn das wünsche ich mir auch. Während einer schönen Arie!

 

Das heißt dass sie immer noch so gern auf der Bühne sind.

 

Ganz richtig!

 

Kehren wir zurück zu Flimms Leporello!

 

Ja, ich habe alles ausradiert in meinem Kopf, was ich da früher gemacht habe, wollte wie ein trockener Schwamm alles aufnehmen.

Wir haben das zusammen erarbeitet, denn ich habe auch oft gesagt; das ist gut, aber ich fühle es anders! Und er hat meinen Vorschlag gelassen. Das nenne ich einen guten Regisseur. Er lässt sich von einem Künstler überzeugen, das ist gut!

 

Sie waren ja bei der Premiere krank, aber man sieht Sie auf der DVD.

 

Richtig, ich war sooooo traurig! Ich habe nie in meinem Leben eine Premiere abgesagt. Ich war so erkältet. Ich habe drei Töchter, wir alle waren im Kreis herum erkältet. Ich habe auf dem Begräbnis meiner Eltern nicht geweint, aber während der Premiere habe ich zu Hause geweint. Ich war im wahrsten Sinn des Wortes trostlos.

 

Aber sie hatten dann die anderen Aufführungen und die DVD!

 

Das ist nicht dasselbe.

 

Auch im Publikum, Premieren haben eine eigene Spannung, Stimmung!

 

Richtig! Und unsere letzte Zusammenarbeit war der Seneca in der Poppea, auch Flimm/Harnoncourt.

 

Haben Sie die Produktion gemocht?

 

Mehr als gemocht, es wurde eine meiner Lieblingsrollen.

 

Flimm selbst hat diese Aufführung nicht gemocht!

 

Nein, nein im Gegenteil! Das war aktualisiert, alle Beziehungen waren sehr klar.

Wenn ich denke dass diese Oper 1642 komponiert wurde, es ist so aktuell, es könnte heute sein.

 

Ich finde auch dass die Aktualisierung gelungen ist. Und der Seneca, der ist ja nicht nur sympathisch, auch ein wenig renitent?

 

Na ja es scheint so, das Publikum ist ja auf Seiten des Liebespaares. Aber das Verhältnis der Beiden ist nicht rechtens, und Seneca sagt die Wahrheit. Und dann dieser Tod, phänomenal!

 

Dieser erzwungene Selbstmord, was ist dran phänomenal?

 

Dass er es tut, er hat ja keine andere Wahl!

 

Wie hat er sich in Zürich umgebracht, das habe ich vergessen?

 

Mit dem Messer die Pulsadern aufgeschnitten, über all ist mein Blut herumgespritzt.

 

Reden wir doch noch einmal über den Sarastro, sicher eine wichtige Partie von Ihnen?

 

Ich war 26 Jahre alt, als ich meinen ersten Sarastro in Budapest bekommen habe. Ich hatte einen Wettbewerb gewonnen, und mein Direktor hat mich gefragt, was ich gern singen würde. Ich habe mittlere Rollen angegeben, doch er hat mir Sarastro gegeben.

Mozart ist sowieso nie langweilig. Wenn ich eine Insel allein müsste, würde ich alle Mozartopern mitnehmen.

 

Sie müssten sie ja garnicht mitnehmen, haben sie doch im Kopf und im Herzen! Welche anderen Mozartrollen haben Sie noch gemacht? Alfonso?

 

Ja, aber in Ungarn. Für Bass habe ich alles gemacht, auch Publio.

 

Genau! Über den Titus sollten wir reden!

 

Aber die Premiere habe ich nicht gesungen. Sonst habe ich den Publio mit Muti gemacht, und dann in Ungarn und mit Drese in Wien.

 

——————————————–Folgt Gespräch über Gabriele Sima, die wir beide gut kennen „Die Welt ist klein“—————————————————

 

Den Rocco in Fidelio?

 

Früher habe ich diese Rolle sehr oft gemacht, hab sie mit Antal Dorati studiert, und dann mit NH. Ich muss ehrlich sagen, später habe ich „Leonore“, die Urfassung, gesungen. Diese Fassung hat mehr dramatische Kraft.

 

Wirklich, aber es gibt doch dort viel Nebensächliches, was die Dramatik bremst?

 

Ja das schon. Ich musste sehr aufpassen, denn die Unterschiede sind oft klein.

Aber seit ich mit NH den Fidelio gesungen habe, sind für mich alle anderen Auffassungen lächerlich! Ich kann keine anderen Vorstellungen hören.

Vor ein paar Jahren habe ich den Fidelio mit Simon Rattle gemacht, und seine Auffassungen war der von NH sehr ähnlich. Bei den Osterfestspielen Salzburg, und dann war es in Berlin.

 

Mit Juliane Banse?

 

Ja! Ich nenne sie seit der Zeit „Juliane Tochter“, sie war damals schwanger, süß!

 

Und NH sagt, der Rocco ist ja nicht nur so ein Netter, sondern er hat einen Hang zur Geldgier.

 

Das ist eine interessante Frage. Als Gustav Mahler den Fidelio damals in Wien dirigiert hat, hat er diese „Goldarie“ gestrichen, denn er hat gesagt, sie sei außerhalb des Charakters von Rocco. Flimm hat dazu in Zürich gesagt: Du musst an die Bahnhofstraße denken, an die jüdischen Bankiers, darum habe ich einen Buckel bekommen.

 

Aber Rocco ist auch ein lieber Mensch, wenn er zum Beispiel sagt: „Meinst Du ich könnte Dir nicht ins Herz sehen?“

 

Auch ich empfinde die Goldarie außerhalb seines Charakters. Er ist einfach ein Vater, eine liebender Vater, und er fühlt Mitleid, auch mit Florestan.

 

Und das hört man auch in der Musik!

 

Richtig! Und diese DVD ist einfach genial, alle Tempi sind perfekt, und die Ouvertüre habe ich nie so gehört! Und wie Flimm die Gefangenenchöre inszeniert hat, einfach fantastisch.

 

Gut dass es wenigsten die DVD noch gibt! Aber man kann die Inszenierungen nicht ewig im Spielplan halten, oder was meinen Sie?

 

Vorletztes Jahr gab es eine neue Zauberflöte, und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Rolle abgesagt.

 

Hätten Sie den Sarastro singen sollen?

 

Ja, bei der zweiten Probe kam der Martin Kušej und hat gesagt: László, was soll ich tun, ich hasse diese Rolle des Sarastro, nicht Dich, aber die Rolle, was kann ich tun? Am nächsten Tag bin ich zu Pereira gegangen und habe die Rolle zurückgegeben.

 

Der Sarastro war das was ich in dieser Zauberflöte auch nicht verstanden habe.

Haben Sie die Aufführung gesehen?

 

Nein (stark) Nein!

 

Haben Sie je mit NH darüber gesprochen?

 

Nein! (lange Nachdenkpause) Aber es war keine leichte Entscheidung für mich.

 

Aber sie haben sie rasch gefällt!

 

Ja! (Denkt wieder lange nach) es geht sowas auch immer um viel Geld, ich habe das Geld nicht verdienen können. Ich habe eine DVD von Drottningholm, es dirigiert Östmann, ein junger Regisseur namens Göran Järvefeld. Er starb 3 Monate später. Das war eine phänomenale Regie. Auch Originalinstrumente, ein Halbton tiefer, sehr tief für Sarastro.

 

Ich habe bei der Kušej Zauberflöte gefunden, dass der Sarastro überhaupt nicht ins Konzept passte, er konnte mit ihm nichts anfangen. Er hat das in meinem Interview auf den Sänger geschoben, dass der seine Intentionen nicht mitgetragen hatte.

 

Ich habe sehr viele Konzerte mit NH gemacht, z.B. Aida

 

Ach ja wir müssen dringend über die Zürcher Aida reden. Das war Schaaf der Regisseur…

 

Ich habe ihn sehr gemocht. Ich habe gehört wie er einmal Klavier gespielt hat, fantastisch. Er hat vieles aus der Musik heraus entwickelt, doch das Grundkonzept hat mir nicht zugesagt, Er hat die Handlung verlegt ins heutige Palästina, in den heutigen Nahen Osten, es hat überhaupt nicht funktioniert. Aida ist ein traditionelles Stück, muss traditionell inszeniert sein.

 

Warum war Sie als der König blind?

 

Der Gedanke war, dass der König unter dem Einfluss von Ramphis war, er war nur eine Marionette des Ramphis.

 

In der Premiere gab es Buhrufe!

 

Solche Buhrufe habe ich zuvor nie gehört in Zürich, die Hälfte Bravo, die Hälfte Buh, ein Kampf. Wissen Sie, diese Art Oper wird in Zürich von den Snobs bezahlt, und was Harnoncourt macht, ist total woanders. Und, aber ich glaube, das sollte man nicht schreiben: Nello Santi hat hier ein Privileg für die italienische Oper.

 

Der Triumphmarsch!

 

Das ist ein Marsch, nicht triumphal.

 

Er ist agitatorisch!

 

Ja, aber bei den Philharmonikern waren die Tempi ganz anders (die CD-Einspielung mit den Wiener Philharmonikern, Anm.)

 

Bei diesen macht er öfters Konzessionen, finde ich.

 

Normal erinnere ich mich nicht so gern zurück, aber diese Aufnahme höre ich von Zeit zu Zeit, ich mag sie sehr,

 

Da habe ich im Booklet einen Text dazu gemacht

 

Ja, ich weiß! (Folgt ein kleiner Exkurs über eine Regieassistentin der Wiener Staatsoper)

 

Da Sie auch Gesang unterrichten, will ich Sie noch fragen, wie Sie die Zukunft der Oper sehen?

 

Die Zukunft der Oper sehe ich optimistisch, über die Zukunft der Welt bin ich ein bisschen skeptisch. Das ist das Problem.

Es gibt weniger und weniger Geld für die Kultur, und Oper ohne Geld, das geht nicht. Die Menschen lernen nicht aus der Geschichte, d.h. die Geschichte wiederholt sich immer. Daher müssen wir die Vergangenheit kennen lernen, damit wir unsere Zukunft bauen können. Doch die Menschen lernen nicht aus der Vergangenheit, und die Geschichte wiederholt sich immer, immer. Es gibt immer die gleichen Fehler. Diese Finanzkrise, das hatten wir schon 1929, und dann hatten wir den zweiten Weltkrieg

 

Das hoffen wir nicht!

 

Ich auch nicht, natürlich! Aber was die Oper betrifft, so bin ich absolut optimistisch. Denn es gibt gute neue Opern.

 

Neu komponierte? An welche denken Sie?

 

Kennen Sie Peter Eötvös?

 

Natürlich! Ein sehr sensibler Komponist..

 

…und er kennt die menschliche Stimme. Oder Hans Werner Henze, fantastisch, oder Wolfgang Rihm. Und ich hoffe, es kommt noch ein neuer Mozart, Verdi oder Puccini.

 

Halten Sie das für möglich?

 

Ja!

 

Halt ähnlich genial!

 

Ja denn sie haben für die Augen, für die Ohren und für die Seelen geschrieben, eine Gesamtkunstwerk. Deswegen kann ich auch keine CD-Aufnahme von Opern genießen, und auch keine DVD, ich will die Oper life erleben. So wie Fußball im Fernsehen, das ist auch nix.

 

Und auch bei den jungen Sängern gibt es Talente?

 

(denkt nach) Da gibt es ein Problem. Die jungen Sänger heute denken zu viel ans Geld. Als ich anfing, hat mich das Geld überhaupt nicht interessiert, nur die Rolle, die künstlerischen Partner, Regisseur, Dirigent. Und ich konnte viel Nein sagen. Heutzutage kann man schwer nein sagen, es ist wie auf einer Rolltreppe, wenn man aussteigt, kommt man schwer wieder hinein.

Ich würde nicht gerne heute noch einmal anfangen müssen als Sänger. Ich weiß wovon ich rede, alle meine drei Töchter sind Musikerinnen und leben mit einem Musiker.

 

Eine interessante Sache zum Schluss: Nikolaus hat mich gefragt: was glaubst Du, kann ich von Bartok den „Herzog Blaubart“ dirigieren? Und ich habe sofort ja gesagt. Er ist sehr geeignet für Bartok. Meiner Meinung nach ist „Blaubart“ Farbe und Rhythmus. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es einmal den Blaubart mit Harnoncourt zu singen. (Polgár ist der zur Zeit führende Blaubart weltweit, Anm.)

 

2010 macht er in Salzburg „Lulu“.(Geplant, aber nie zustande gekommen, Anm.)

 

Eine sehr schwere Oper, eine sehr schwere Partie, Lulu ist dauernd auf der Bühne.

 

Danke für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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