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Alexander Pereira: “Die Qualität einer Aufführung entscheidet sich am Dirigentenpult.”

Alexander Pereira

Dieses Gespräch fand m Büro von Herrn Pereira am 16.Januar 09 statt, also zu der Zeit, in der er Intendant im Opernhaus Zürich war. Wie alle die Interviews über Nikolaus Harnoncourt in diesem Blog diente es der Recherche für das Buch Oper, sinnlich. Die Opernwelten des Nikolaus Harnoncourt, das, verfasst von Johanna Fürstauer und mir, Anna Mika, 2009 erschienen ist.

Inzwischen ist Alexander Pereira Chef der Mailänder Scala und hat zwischenzeitlich die Salzburger Festspiele geleitet.

 

 

Herr Pereira, Sicher haben Sie Nikolaus Harnoncourt schon lange vor Ihrer Intendanz in Zürich gekannt, etwa vom Konzerthaus in Wien?

Ja natürlich haben wir uns von Wien her schon gut gekannt, und es ist sogar so: Als man in Zürich einen Nachfolger für den Intendanten Christoph Groszer gesucht hat, hat man sich offenbar schwer getan, jemanden zu finden. Und da war es Nikolaus, der gesagt hat: „Im Konzerthaus in Wien ist einer, mit dem es sich ganz gut arbeiten lässt“ (schmunzelnd). So wurden die auf mich aufmerksam, und so kam ich schließlich hierher nach Zürich.

Sie haben ja von Ihrer Vorfahrenreihe her sowohl einen nahen Bezug zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ als auch zu Felix Mendelssohn Bartholdy.

Ja, das ist beides über meine Ur-Ur-Urgrossmutter (?) Fanny von Arnstein (1758-1818, Anm.). Sie war die Tante von Mendelssohn und hat in dem Haus gewohnt in dem Mozart die Entführung  komponiert hat. Sie können das alles nachlesen: Hilde Spiel hat über Fanny von Arnstein ein Buch geschrieben, da steht das alles drinnen.

Sie haben, als Sie 1990/91 die Intendanz in Zürich angetreten haben, eine gewachsene Harnoncourt Tradition vorgefunden, und überhaupt haben Sie ja wiederholt geäußert, dass sich die Qualität einer Opernaufführung am Dirigentenpult entscheidet.

 Wir haben grade mit Harnoncourt auch während meiner Intendanz ganz großartige Aufführungen erlebt: den Fidelio, den Freischütz, dann die Schubert-Opern – ganz besonders!, der Da-Ponte Zyklus mit Flimm und dann die Neudeutung von Monteverdi. Die Ponnelle Zyklen von Monteverdi und Mozart hatten ja einen derart legendären Ruf, da war schon die Gefahr da, vor Ehrfurcht zu erstarren und es nicht mehr zu wagen, diese Opern erneut zu deuten. Diese unsere neuen Zugänge zu diesen Werken waren wichtig!

Was die Qualität der Dirigenten betrifft, so habe ich als Direktor des Wiener Konzerthauses gelernt, wie sehr ein Dirigent eine Aufführung prägt. Im Falle eines Konzertes liegt das auf der Hand – klar! Warum sollte ich dann diese gute und richtige Erfahrung wieder in den Hintergrund drängen, sobald ich ein Opernhaus leite? Es ist auch in der Oper so: „Die Qualität eines Abends entscheidet sich am Dirigentenpult“!

Wenn in Zürich Wiederaufnahmen kommen, so werden diese tagelang geprobt und en Suite gespielt, und das Ensemble ist dann möglichst gleichbleibend. Auch werden die Stücke immer wieder neu inszeniert.

Ja natürlich, soll ich Inszenierungen aus den 1950ern oder 60ern noch immer spielen? Das ist doch selbstverständlich!

In Ihrer Intendanz und durch Harnoncourt haben ja auch einige wunderbare Sänger- Weltkarrieren begonnen, etwa die von Cecilia Bartoli oder Eva Mei, Jonas Kaufmann, Christoph Strehl…

Ja, und das ist auch außerhalb des Hauses so, dass Harnoncourt Sängerkarrieren initiiert hat, da kann man Michael Schade nennen.

Oder Dorothea Röschmann oder Anna Netrebko….

 Als einer der gefragtesten Intendantenpersönlichkeiten, der Sie sind, darf ich Sie fragen, wie Sie zur Zukunft der Kunstform Oper stehen.

 Das Opernhaus Zürich nimmt die Aufgabe, lebende Opernkomponisten und -komponistinnen zu fördern, ernst. In Kürze werden die drei Operneinakter aufgeführt, die wir im Projekt des teatro minimo ausgewählt haben. Da war ein Wettbewerb, bei dem die drei KomponistInnen dieser Opern gekürt wurden. Im Zuge der Aufführung wird dann Einer/Eine der drei von einer Jury ausgewählt und erhält dann von uns den Auftrag für ein weiteres, abendfüllendes Werk.

Ist Oper elitär?

 Sie ist nicht elitär! 70% unseres Publikums sind die ganz normale Bevölkerung. Beim Rest gibt es natürlich die ganz Reichen, aber die sind ja auch unsere Gönner. Über die soziale Zusammensetzung unseres Publikums gibt es regelmäßige Statistiken.

(Ein andermal hat Pereira bei einer Pressekonferenz gesagt, dass es Leute gäbe, die lieber Schwarzbrot und Kartoffeln essen als eine Premiere nicht anschauen, Anm.)

 Vielen Dank für das Gespräch!

 

Foto: Operaclick.com

 

 

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