Nicht nur Schwarzenberg, sondern auch der Markus-Sittikus-Saal in Hohenems hat sich seit einigen Jahren beim Publikum fix etabliert, seine Akustik wird weithin gerühmt. Davon profitierte auch das seit 2002 bestehende Kuss Quartett, das 2008 in derselben Besetzung spielt. Mit Leoš Janáčeks Streichquartett „Die Kreutzersonate“ vom Jahr 1890 griffen ungewohnt moderne Klänge Platz, hat doch dieses Stück nur indirekt mit Beethovens Violinsonate mit diesem Namen zu tun. Vielmehr zeichnet es die Novelle Leo Tolstois nach, ergreift aber im Gegensatz zu dieser die Partei der geschundenen Frau – typisch auch für die Opern Janáčeks. Das deutsche Ensemble, nach der Primgeigerin Jana Kuss benannt, zeichnet sich durch ein aussagekräftiges Spiel aus, das in allen Stimmen gleich präsent ist, denn auch der zweite Geiger Oliver Wille und der Bratscher William Coleman haben markante Einsätze. Und was der Cellist Mikayel Hakhnazaryan mit seinem wunderbaren Ton zaubert, ist fantastisch. Da denkt man vor allem an den langsamen Satz in Schuberts letzten, magischen Quartett in G-Dur, das nach der Pause erklang. Zuvor spielte das Kuss Quartett Beethovens letztes Quartett Opus 135, das in metaphysischer Schlichtheit zur klassischen Viersätzigkeit zurückkehrt. Die kauzige Überschrift des letzten Satzes „Muss es sein? – Es muss sein!“, um die sich zahlreiche Anekdoten ranken, ist ein Motto für das Kuss Quartett. Sie fragen: „Muss Quartettspiel sein? Und antworten „Ja, es muss sein“. Diese nahezu missionarische Musizierhaltung spürt man in jedem Ton. Das persönliche Engagement der einzelnen Musiker, verbunden mit vollendetem Zusammenspiel und größtmöglicher Identifikation mit der Musik ist mitreißend und tief bewegend.

Foto: Schubertiade
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