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Thierry Escaich: atemberaubende Orgelkunst

Einer der weltweit führenden Organisten und Komponisten derzeit, Thierry Escaich, gastierte m Freitag auf Einladung der Chopin-Gesellschaft in Feldkirch. Gespielt hat er an der Pflüger Orgel in der Kapelle der Privathochschule Stella.

Von jeher geht die französische Musik einen eigenen Weg, und man kann derzeit getrost, was eben die Musik betrifft, von einer „Grande Nation“ sprechen. Thierry Escaich, geboren 1965, ist einer ihrer Repräsentanten. Seine Stellung sei etwa dadurch beleuchtet, dass sein Cellokonzert Nr.2 in Bälde bei den Salzburger Osterfestspielen aufgeführt wird, gespielt von Gautier Capuçon und dirigiert von Andris Nelsons. Als Organist hat Thierry Escaich die Stelle des Titularorganisten an der Pariser Kirche Saint-Etienne-du-Mont inne und ist somit Nachfolger von Maurice Duruflé, der auch sein Lehrer war. Von Duruflè erklang im Konzert die „Toccata Op.5“, die an spieltechnischer Raffinesse kaum zu überbieten ist. Escaich meisterte sie atemberaubend gut und zeigte auch in Werken von Louis Vierne, dem Lehrer wiederum von Duruflé, sowie Mendelssohn und César Franck seinen überragenden Sinn für Klangfarben (assistiert von zwei Registrantinnen, die Escaich bei der Handhabung der 36 Register unterstützen) sowie dynamische und formale Verläufe. Besonders gespannt war man auf eine Komposition von Escaich selbst. Man erlebte sie mit „Evocation I et II“ aus dem Jahr 1996. Bei der ersten ließ eine orientalische Melodie aufhorchen, die zweite war harsch, fast perkussiv. Und zweimal improvisierte der meisterliche Organist auch, zuerst „im romantischen Stil“ nach einem Thema von Frédéric Chopin, dann, als spektakulärer Schluss des Programms über zwei Themen aus Klavierstücken, wiederum von Chopin, die ihm unmittelbar vor dem Konzert (!) bekannt gegeben wurden. Was für eine Sicherheit in der Harmonik, der Polyphonie und dem formalen Aufbau muss man haben, um das zu leisten! Und mit welcher Konzentration und welch energetischem Flow muss man zugange sein! Improvisation ist immer eine erstaunliche Kunst, und dann auf diesem Niveau! Auch für die Zugabe hat Thierry Escaich improvisiert, im Stil einer Nocturne von Chopin – wiederum eine Referenz an den Gastgeber, der Chopin-Gesellschaft Vorarlberg.

Dieser ist es hoch anzurechnen, einen solch herausragenden Musiker ins Land gebracht zu haben. Umso bedauerlicher ist es, dass nur wenige der vielen Orgelfachleute sowie Komponisten aus Vorarlberg dieses Konzert besucht haben (Dem Augenschein nach war die Kapelle zu etwa einem Drittel besetzt.) Ist es tatsächlich so, dass man, wie es sprichwörtlich heißt, hier „nicht höher als das Gras wächst“ sein darf? Dass eben das Exzellente nicht interessiert. Das ist schade bzw. “c’est dommage”.

Foto Marie Rolland

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