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Symphonieorchester Vorarlberg: Wiener Klassik und ihre Wege in die Zukunft

 

Ein ungewöhnliches Programm präsentierte das SOV bei seinem zweiten Abokonzert. Gastdirigent Sascha Goetzel überzeugte auf der ganzen Linie und das Publikum reagierte begeistert.

Die Wiener Klassik, also die Musik eines Haydn, Mozart und Beethoven, strahlte bis ins zwanzigste Jahrhundert aus. Ihre formalen Vorgaben, vor allem manifestiert im Typus der Sinfonie, überzeugten in ihrer Ausgewogenheit von Intellekt und Emotion auch Musiker, die in den Zeiten ausufernder Kompositionen etwa eines Richard Wagner, eines Bruckner oder Mahler wirkten. Einer von ihnen war Franz Schreker, zu seinen Zeiten einer der meistgespielten Klangschöpfer, heute aber fast vergessen, vielleicht bis auf seine Opern „Die Gezeichneten“ (eine fabelhafte Inszenierung dieses Werks gab es vor mehreren Jahren in Sankt Gallen) oder „Der ferne Klang“. Sein „Intermezzo für Streicher“, komponiert im Jahr 1900, stand am Beginn des ungewöhnlichen Programms, das das Symphonieorchester am Samstag in Feldkirch und am Sonntag in Bregenz spielte, dirigiert vom durchwegs überzeugenden Wiener Sascha Goetzel. Die Streicher, angeführt vom Konzertmeister Matthias Honeck, entfalteten hier einen berückend schönen, seidig glänzenden Klang. Es folgte das Violinkonzert des sowjetischen, politisch linientreuen Dimitri Kabalewski, das entgegen der Erwartung musikalisch durchaus überzeugte. Nicht zuletzt lag das an der uneitlen, konzentrierten und blitzsauberen Spielweise des niederländischen Geigers Niek Baar, der als Zugabe zusammen mit dem Orchester Mozarts „Rondo in C-Dur“ KV 373 musizierte. Hielt sich hier das Orchester noch eher an die romantische Legatokultur, so fand es nach der Pause mit Joseph Haydns Sinfonie in g-Moll Nr. 39 zu einer überzeugenden, historisch informierten Artikulation, geführt von Sascha Goetzels lebhafter, jedoch nie äußerlicher Zeichensprache. Diese eher frühe Sinfonie Haydns – insgesamt schrieb er 104 Werke dieser Gattung – ist der Epoche des „Sturm und Drang“ nahe und recht dramatisch. Auffällig sind die Generalpausen im ersten Satz oder die schroffen Akkorde, die die Idylle des „Andante“ unterbrechen. Nach dieser Rückkehr zu dem Wurzeln unserer immer noch gepflegten Orchesterkultur folgte erneut ein Sprung ins zwanzigste Jahrhundert. Denn Alexander Zemlinski, Lehrer und später Schwager Arnold Schoenbergs und kurzzeitig der Geliebte von Alma Mahler, die damals noch Schindler hieß, beschloss mit seiner „Sinfonietta“ Opus 23 von 1934 das Programm. Sie ist nicht typisch für Zemlinskis sonst eher groß besetzte Kompositionen, zumal sie beim Konzert des SOV in einer Version für Kammerorchester gegeben wurde. Obwohl sie am Ende des Programms stand und dem Orchester wie auch dem Dirigenten Sascha Goetzel großen Beifall erbrachte, war sie nicht die überzeugendste Komposition des Abends. Man hörte schöne Stellen, wie etwa tolle Soli der Trompete (Roché Jenny) oder der Oboe (Adrian Buzac), aber ein runder Gesamteindruck stellte sich nicht ein. Das konnte halt Joseph Haydn doch am besten.

Foto: Webseite des Dirigenten

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