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Opernstudio der Bregenzer Festspiele: Jugend im Rausch

Intendantin Lilli Paasikivi führt gerne fort, was ihre Vorgängerin Elisabeth Sobotka geschaffen hat. Gemeint ist ist hier das Opernstudio der Bregenzer Festspiele, das  in Zusammenarbeit mit dem deutschen Wettbewerb NEUE STIMMEN jungen Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit bietet, Partien des Repertoires zu erarbeiten und zu präsentieren. In diesem Jahr ist es L’elisir d’amore von Gaetano Donizetti.

Iana Aivazian

Gut dreißig Jahre bevor Richard Wagner sein epochales Musikdrama Tristan und Isolde auf die Bühne brachte, beschäftigte die Sage um dieses Paar, das sich mittels eines Zaubertrankes verliebte, einen anderen Komponisten. Der Italiener Gaetano Donizetti zauberte aufgrund dieser Geschichte eine leichtfüßige Oper, nannte sie aber „melodramma giocoso“, denn ganz so ungetrübt ist diese Geschichte denn doch nicht. Vor allem wenn die finnische Regisseurin ihre Inszenierung für das Opernstudio der Bregenzer Festspiele ins Heute verlegt und sie unter Jugendlichen in einer High School spielen lässt. Selten ging er Transfer eines klassischen Werkes in unsere Zeit so bruchlos auf wie hier. Adina (Iana Aivazian) ist eine junge Frau mit wohlhabenden Eltern, hübsch und überdurchschnittlich klug und belesen. Der schüchterne Nemorino (Emanuel Tomljenovič) ist glücklos in sie verliebt. Als Dulcamara, ein Quacksalber (Davide Piva) ihm einen Liebestrank anbietet, kauft er diesen um sein letztes Geld und hofft auf das Wunder, dass Adina seine Liebe erwidert. Nach allerhand Wirren, vor allem einem heftigen Flirt Adinas mit dem Angeber Belcore (Yiorgo Ioannou) geschieht dies tatsächlich. Ein Happy End? Sehr wahrscheinlich nicht, vor allem nicht in dieser Inszenierung. Denn der zweite Akt spielt auf einer Party im noblen Haus der abwesenden Eltern Adinas, wo „Dealer“ Dulcamara neben Energy Drinks auch wirksamere Mittelchen verteilt, die die jungen Leute bald in die Sofas sinken lässt – interessant ist, dass in dieser Inszenierung eine „Intimitätskoordinatorin“ beigezogen wurde. In dieser Stimmung besinnt sich Adina auf  ihren herzigen Verehrer Nemorino und wird die Seine. Nicht nur in dieser überzeugenden Inszenierung ist Emanuel Tomljenovič der Mittelpunkt, er ist es auch musikalisch. Sein heller Tenor ist weich schmelzend, ausdrucksvoll und flexibel, sodass nicht nur die berühmte Arie um die „heimliche Träne“ aufhorchen lässt. Iana Aivazian führt ihren Sopran technisch sicher und ebenfalls recht ausdrucksvoll, zuweilen auftretende Schärfen wird die dreiundzwanzigjährige Russin bald in den Griff bekommen. Ebenso wird sich auch das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Dirigentin Danila Grassi besser der heiklen Akustik im Kornmarkttheater anpassen und auch den Beginn der Ouvertüre sauber spielen. Zu bewundern ist die Sicherheit und Professionalität, mit der elf jungen Sängerinnen und Sänger aus der Region, einstudiert von Jakob Peböck, singen und agieren, Das Bühnenbild von Tinde Lappalainen wirkt etwas überladen, die Kostüme sind aber sehr stimmig. Große Begeisterung im Publikum, aber einige Buhs beim Erscheinen des Regieteams.

Foto Anja Koehler

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