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Mendelssohn in Worten und Klängen

Als Bloggerin darf man auch dann über Konzerte schreiben, wenn man sie selber organsiert hat. In meiner Wohngemeinde Schwarzach fand am Sonntag ein solcher Abend mit Texten und Musik statt, der begeistert hat.

 

Es ist sehr beliebt, Musik und Text zu einem Programm zusammenzuspannen. Doch meistens geschieht dies recht oberflächlich und es läuft drauf hinaus, dass die Musik vor allem als Behübschung oder, wie es gerne heißt, als Umrahmung, dient. Ausgesprochen gelungen ist hingegen ein Programm, das die beiden Schweizerischen Künstler Simone Keller und Philip Bartels entwickelt haben – sie ist Pianistin, er Schauspieler und Regisseur.  Nach einigen Stationen vor allem in ihrer Heimat, haben sie es am letzten Sonntag zusammen mit Editha Fetz, Violine, Imke Frank, Violoncello und dem Schauspieler Wolfgang Beuschel in Schwarzach präsentiert. Musik und Texte fließen hier nahtlos ineinander, mehr noch ergänzen sich in ihrem Charakter und schaukeln einander energetisch auf. Es wird hervorragend musiziert und, was selten ist, auch großartig rezitiert. Doch um welche Texte und welche Musik handelt es sich da? Felix Mendelssohn und seine ebenfalls sehr musikaffine Schwester Fanny – es gab noch die Geschwister Rebecca und Paul – hatten ein begütertes und bildungsbeflissenes Elternhaus und sind viel gereist, auch in der Schweiz. Der einundzwanzigjährige Felix hat eine Fußwanderung durch unser schönes und wie es auch in diesen Texten immer wieder heißt, sehr reinliches Nachbarland gemacht und hat dabei Tagebuch geführt. Fanny hingegen ist achtzehnjährig mit der ganzen Familie unterwegs gewesen, dabei übrigens auch an den Bodensee gekommen, und sie hat dabei Briefe an ihre daheim gebliebene Cousine Marianne geschrieben. Das sind anschauliche Texte, mitreißend und humorvoll, und so sprechen Bartels und Beuschel sie auch. Die drei Musikerinnen sind erste Klasse von Haus aus, und sie spielten einen Satz aus dem Klaviertrio in d-Moll von Fanny Hensel-Mendelssohn und das Trio in d-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy wunderbar. So lebendig im Zusammenspiel und so plastisch artikuliert war es, dass man zuweilen an ein Gespräch zwischen den Instrumenten denken mochte. Dass die Geigerin auf einem Leihinstrument spielte, weil ihre kostbare Amati-Geige sich in Reparatur befand, und dass die Pianistin auf dem Leihflügel mit Tasten, die hängen blieben, zu kämpfen hatte, machte ihre Leistung umso respektgebietender.

4 Overall Score
4 Reader Rating: 2 Votes
1 Comments
  • Firouzeh Navai
    2 years 4 months ago

    Danke für den schönen Tag Heute

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