
Herr Käfer, so heißt Brouček auf Tschechisch, ist ein Kleinbürger, der Genüge findet in seinen vier Wänden und jeden Abend beim Wirt Schweinebraten und neun (!) Krügerl Bier konsumiert. Konstant alkoholisiert, schwebt es samt seines Häuschens auf den Mond, dann im zweiten Teil mitten in den Hussitenkrieg des fünfzehnten Jahrhunderts. Ein merkwürdiges Libretto also, das Leoš Janáček, der Brünner, für seine erste Oper in Prag gewählt hat, verständlich insofern, dass es damalige Kunstrichtungen aufs Korn nimmt und im zweiten Teil ein zentrales Thema tschechischer Identität aufgreift. In Bregenz erlebte man das Werk in der Originalsprache dank des wunderbaren Prager Philharmonischen Chors, der seit 2010 ständig bei den Festspielen wirkt, und eines hochklassigen Gesangsensembles, das in diverse Rollen schlüpft. Stellvertretend seien genannt die Sopranistin Tatev Baroyan oder der Tenor Mihalis Čulpajevs und allen voran der Charaktertenor Peter Hoare als Brouček. Wenn auch aufgrund des Librettos gewisse Längen entstehen, so werden diese wettgemacht durch die plastische Musik Janáčeks, die vielfach die Sprachmelodie des Tschechischen aufgreift und das Bühnengeschehen illustriert und kommentiert, dirigiert von Robert Jindra. In der gekonnten Personenführung des jungen Regisseurs Yuval Sharon gebührt jedoch die Krone dieser Produktion dem Bühnenbildner Jon Bausor und seinem Lichtdesigner Yi Zhao. Ein wenig erinnernd an des „Schwarze Theater Prag“ sehen wir die Silhouetten einer Stadt, dann in den Mondbildern galaktische Zaubereien und schließlich im Mittelalter Farben und Visionen, die an Gemälde Rembrandts erinnern.
Foto: Anja Koehler
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