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Bachkantaten gestreamt

Streaming Bach

Die Konzertreihe „Bachkantaten in Vorarlberg“, die seit mehreren Jahren mit zwei Programmen pro Jahr läuft, hat für ihr für den November vorgesehenes Konzert, das Covid-bedingt ausfallen musste, eine besondere Lösung gefunden. Es wurde nicht einfach ins Netz gestellt, sondern es können nur Menschen, die bezahlen, das Video ansehen und anhören.

(Anmeldung: karten@bachkantaten.at).

Das ist vollkommen richtig! Denn warum sollen Künstler, die eine lange und oft auch kostenintensive Ausbildung durchlaufen haben, ihr Können umsonst zur Verfügung stellen? Und tut es uns nicht allen gut, Schönes zu erleben, und noch dazu mit den aufmunternden Titeln der beiden Kantaten, die lauten: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (BWV 98) und „Schwingt freudig Euch empor“ (BMV 36). Thomas Platzgummer und Miriam Feuersinger sind die künstlerischen Leiter die „Bachkantaten“-Reihe, und die Sopranistin wirkt auch in diesem Konzertvideo auf ansprechende Weise mit. Weiters singen die Vorarlbergerin Lea Elisabeth Müller, die durch ihre authentische Art für sich einnimmt, dann der in der Region besonders in letzter Zeit sehr häufig vertretene Tenor Daniel Johannsen, der einmal mehr höchst präsent und auf seine Weise vollendet singt und der auch weiß, wie man mit Verzierungen umgeht. Eine Klasse für sich ist der Bass Wolf Matthias Friedrich, der Frische ins Geschehen bringt, was dieser Konzertreihe guttut. Darüber später mehr, denn zuerst sollen noch die Instrumentalisten gelobt werden, von denen jede und jeder ein Solist ist. Denn diese Vorarlberger „Bachkanaten“- Reihe ist sehr klein besetzt, und übrigens wird auch der Chor von den Gesangssoli bestritten. Bei den meisten Arien gibt es reizvolle konzertierende Parts für einzelne Instrumente wie die Violine von Regula Keller oder die Oboe von Bettina Simon beziehungsweise Agnes Glaßner.

Bassist Wolf Matthias Friedrich

Nun noch ein Wort zur Aufführungspraxis: Landläufig, und oft auch in Kritikerkreisen, wird das Musizieren der Alten Musik im Sinne des Originalklanges in einen Topf geworfen. Dabei gibt es verschiedene Schulen beziehungsweise Stile, die sich stark unterscheiden. Wer mich kennt, weiß, dass sich eine glühende Anhängerin von Nikolaus Harnoncourt bin. Der musiziert die Barockmusik sehr lebendig und vertritt etwa die Meinung, dass bei Bach alles, auch die geistliche Musik bis hinein in die Passionen, auf Tanzrhythmen aufgebaut ist. Mir scheint, dass der Österreicher Daniel Johannsen einiges von dieser Musizierweise verinnerlicht hat. Auch der Bass Wolf Matthias Friedrich dürfte über Thomas Hengelbrock viel davon mitbekommen haben. Miriam Feuersinger hingegen wurde in Basel ausgebildet, wo sehr gepflegt musiziert und gesungen wird, aber man verzeihe mir, auch recht eintönig. Ich denke, dass auch eine Barockstimme Farben und Vibrato haben darf, und dass Bachs Musik, auch die geistliche, ruhig einen Swing haben darf und auch ab und zu gewagtere Tempi. Das wird freilich immer Ansichtssache sein. Man muss ja nicht so weit gehen wie ein mir befreundeter englischer (der englische Stil ist wieder ein eigener) Barockmusiker, der sich einmal über eine Aufnahme Harnoncourts dermaßen erzürnt hat, dass er – damals – diese Langspielplatte auf den Boden geworfen und zertrampelt hat.

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