So machen es alle Frauen, meint zumindest Don Alfonso in Mozarts „Così fan tutte“ Diese Oper läuft derzeit am Theater Kosmos in einer halbszenischen Fassung.
Tobias Grabher sorgt sein einigen Jahren mit den Konzerten seiner Camerata Musica Reno für frischen Wind in der Musiklandschaft Vorarlbergs. Zum zweiten Mal nun wagt er sich mit einer unkonventionellen Annährung an das Genre Oper. Das ist umso mehr zu begrüßen, da Opernaufführungen außerhalb der Bregenzer Festspiele im Ländle stillschweigend verschwinden. So gibt es die beliebte Opernsaison am Kornmarkt in Februar derzeit nicht. Und wie man hört, kann das Musiktheater Götzis aus finanziellen Gründen nur mehr alle zwei Jahre spielen. Ob der ambitionierte Dirigent Tobias Grabher diese Lücke wirklich füllen kann? Auf der musikalischen Seite sicher, denn was man am Freitagabend bei der Premiere an Elan, Spielfreude und höchster Professionalität erlebt hat, war erstaunlich. Umso mehr, da zwischen den Sängerinnen und Sängern einerseits und dem Dirigenten und dem Orchester andererseits wenig Blickkontakt möglich war, denn die Sänger standen vor den Musikern. Doch dank einer gerade wundersamen Einfühlsamkeit gab es ein fantastisches gemeinsames Musizieren, wo die Sänger Zeit zum Atmen und für so manches Rubato hatten – so großartig wie selten zu erleben. Diese fünf Sänger haben es sich auch verdient, auf Händen getragen zu werden, denn jede und jeder ist auf ihre bzw. seine Art fantastisch. Ob der zynische Drahtzieher dieser immer beklemmender verlaufenden Wette um einen Partnertausch namens Don Alfonso, gegeben von Clemens Seewald, der feurige Guglielmo von Tobias Lusser, der gefühlvolle Ferrando von Andrew Turner oder die aparte Laura Hemmingway als Dorabella. Eine Klasse für sich ist Ekatarina Spivakovskaia als Fiordiligi. Wie diese junge Sankt Petersburgerin den emotionalen Regungen in Mozarts Musik nachspürt, wie sie mühelos von den extremen Sopranhöhen und dunkle Tiefen wechselt und wie ihre Koloraturen perlen: das kann man anders, aber nicht besser machen. Wer das Werk kennt, wird jetzt die Rolle der Despina vermissen. Genau, denn diese gab es hier nicht. Sie wurde ebenso eingespart wie ein Chor, sämtliche Secco-Rezitative und die zweite Arie der Dorabella. Für Puristen ist diese Entscheidung schwierig zu verstehen, denn ohne Despina geht die Symmetrie dieser quasi schachbrettartigen Versuchsanordnung in Sachen Liebe verloren, und ohne die Rezitative fehlt ein wesentliches Stilelement der italienischen Opern Mozarts
Dafür hat Sabine Lorenz freie Texte gesprochen und damit einige, aber nicht alle Brüche gemildert – man hätte von ihr sehr gerne mehr gehört. Die Führung der Personen hatte Eli Eisenmann inne, die sich mehr hätte einfallen lassen können. Vor allem am Ende bleiben viele Fragen offen wie etwa die, wer nun zu wem gehört? Die Musik wurde der inhaltlichen Tiefe des Werkes gerecht. Die Szene bleibt oberflächlich, was die Sängerinnen und Sänger mit ihrem Spieltalent wettmachten.
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