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Schubertiade Hohenems zeigt sich rückblickend

Vor 50 Jahren fand im Mai 1976 die erste Schubertiade statt. Gefeiert wird die aktuell mit der Rekonstruktion der Programm von damals. Nun, Vintage ist in.

Mittwochabends im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems wurde nicht nur das Schubertiadejahr 2026 eröffnet, sondern gleichzeitig der ersten Schubertiade im Jahr 1976 gedacht. Einige Prominenz hat sich zu diesem Liederabend eingefunden, neben Korrespondenten namhafter Zeitungen auch das Grafenpaar vom nahen Palast, Franz Clemens Waldburg-Zeil und seine Ehefrau Stephanie Waldburg-Zeil. „Ich war damals vierzehn Jahre alt und habe dieses erste Konzert von der Galerie aus verfolgt. Ich war sehr beeindruckt, und meine Eltern waren sehr aufgeregt, denn so ein großes Ereignis hat es im Palast zuvor nicht gegeben“, erinnert sich Franz Clemens Waldburg-Zeil. Dieses „Ereignis“ war ein Liederabend des Gründers der Schubertiade, des Baritons Hermann Prey und seines Partners am Klavier, Leonard Hokanson im Rittersaal des Palastes. Dasselbe Programm ausschließlich mit Liedern von Franz Schubert, das Prey damals „Ein Leben in Liedern“ nannte, sang nun der Bariton Konstantin Krimmel. Der Deutsch-Rumäne zählt zu der Handvoll führender Sänger seines Fachs, ist Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper und wurde soeben bei den Osterfestspielen Salzburg geehrt. Nun einen Vergleich mit Hermann Prey zu bemühen, ist vergebens, ist doch jeder Sänger und jede Sängerin eine Persönlichkeit für sich. Und jeder Liederabend, selbst der desselben Sängers, ist überraschend. Auch Konstantin Krimmel ließ staunen, etwa mit der Weiterentwicklung seiner dynamischen Bandbreite, die von einem ungemein lockeren Parlando im duftigen Strophenlied „Die Sterne“ bis hin zu einem markig geschmetterten „Allliebender Vater“ am Ende von „Ganymed“, wobei man sich freilich in diesem Lied eine innigere Tongebung hätte vorstellen können. Sehr überzeugend gelangen die starken dynamischen Kontraste in Lied „An die Leier“. Ging es im ersten Teil des Programms um die Dinge des Lebens, so entwickelte sich der zweite Zeil mehr und mehr in Richtung Nostalgie und schließlich zum Tod. Für die letzten drei Lieder, „Totengräbers Heimwehe“, „Schwanengesang“ und schließlich dem bewegenden „Nachtstück“ wählte Krimmel sehr langsame Tempi, auch dies eine Geschmacksfrage. Bis hierher war nur vom Sänger die Rede, doch mindestens so wichtig wie dieser war Ammiel Bushakevitz am Klavier. Ja, es schien, als ob viele der Gestaltungsimpulse von ihm ausgingen. Wie auch immer: sein Spiel war großartig. Als Zugabe wählten Krimmel und Bushakevitz (auf Foto links) das Lied „Glückwunsch“ von Erich Wolfgang Korngold, passend zum Jubiläum.

 

Foto: Webseite Krimmel

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