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Lukas Lemcke und Katja Maderer: Debuts bei der Schubertiade Hohenems

Mit Lukas Lemcke am Samstag und Katja Maderer am Sonntag betraten zwei fabelhafte Sänger zum ersten Mal das Podium der Schubertiade.

Vor der Besprechung der beiden Liederabende sei ein kurioses Detail am Rande der Schubertiade erzählt. Am späten Nachmittag des Sonntag geschah es, dass Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ innerhalb von sieben Kilometer, jeweils gespielt von einem Weltklasseensemble, zweimal erklang. Bei Dornbirn Klassik interpretierte es das Brodsky Quartet, in Hohenems das Goldmund Quartett, das dort zum ersten Mal auftrat. Ich erlaube mir noch einen Vergleich: in Dornbirn ist die Bühne reichlich mit Blumen dekoriert und jeder solistisch wirkende Musiker wird beschenkt, die Herren mit einem guten Getränk, die Damen mit Blumen. Und das bei niedrigeren Eintrittspreisen bei vergleichbarer künstlerischer Qualität.

Die Liederabend-Debuts

Am Sonntagabend debütierte die aus dem bayerischen Passau gebürtige Sopranistin Katja Maderer und vermochte sofort zu überzeugen. Das schöne Programm bot im ersten Teil die bekannten Frauenlieder Schuberts nach Goethe beziehungsweise Marianne von Willemer, im zweiten Teil Lieder von Schubert nach verschiedenen Dichtern. Darunter war die umfangreiche „Klage der Ceres“ (Schiller), die Maderer, wie sämtliche andere Lieder auch, auswendig vortrug. Die attraktive junge Dame verfügt über einen hell timbrierten, doch niemals scharfen Sopran, der sich zu wunderschönen Bögen aufschwingen kann. Ein bisschen mehr Textdeutlichkeit wäre aber wünschenswert, vor allem klarer ausgesprochene Konsonanten. Ihr Partner am Klavier heißt Amadeus Wiesensee und begleitet leichtfüßig und perlend, bleibt aber schärfere Akzente schuldig, etwa bei Mignons Lied: „Heiß mich nicht reden“.

Am Abend zuvor, beim Rezital des Regensburgers Lukas Lemcke, brauchte man sich keine Gedanken machen über die Qualität des Pianisten, denn dieser war Helmut Deutsch. Der junge Bassist konnte also sich in Abrahams Schoß fühlen, und, nach einer kleinen Anspannung bei den ersten Liedern, tat er das auch. Erst recht, als nach dem ersten Teil mit Schubert das Publikum bereits jubelte. Wie seine ebenfalls an der bayerischen Donau beheimatete Kollegin gebietet auch der sympathische ehemalige Regensburger Domspatz über eine in allen Lagen flexible, schöne und ausdrucksvolle Stimme. Bei ihm ist die besondere Attraktion eine bemerkenswert sonore Tiefe. Im zweiten Teil seines Programms führte Lukas Lemcke sein Publikum mit den Michelangelo – Liedern von Hugo Wolf und selten gehörten Gesängen von Carl Loewe in zumindest an diesem Ort unbekanntere Gefilde. So brachte dieses Wochenende zwei höchst erfreuliche Begegnungen mit jungen Sängern.

 

Fotos. Schubertiade

 

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