Goethe-Lieder und vier Hände
Den Pianisten Julius Drake erlebte man in Schwarzenberg in zweifacher Funktion, im Lied-Duo mit Ian Bostridge und vierhändig mit Elisabeth Leonskaja.
Seit fünfundzwanzig Jahren tritt der englische Tenor Ian Bostridge bei der Schubertiade auf. Seine Konzerte sind viel bewundert und viel diskutiert. Auch am Montagabend schaffte der promovierte Historiker einen beispiellosen Spagat zwischen Gelehrsamkeit und zugleich überwältigender Emotionalität. In der Programmdramaturgie sah man das durch die Gegenüberstellung von Goethe-Vertonungen der beiden Komponisten Hugo Wolf und Franz Schubert, wobei mehrmals dieselben Texte von beiden erklangen, so die „Gesänge des Harfners“ aus „Wilhelm Meister“, „Wanderers Nachtlied“ oder „Ganymed“. Und hier sei der Fokus auf den Klavierpart gelegt. Bei Hugo Wolf erlebt an diesen fast in der Hautrolle, gerade weil Julius Drake ihn denkbar plastisch, ja geradezu beredt gestaltet. Die Vertonungen Schuberts sind in diesem direkten Vergleich eingängiger. Bei Wolf verfolgt die Gesangslinie eher ein Parlando, bei Schubert dominiert die Melodie, freilich nie seicht, sondern sie trifft direkt ins Herz. Vor allem wenn Ian Bostridge in seiner Selbstentäußerung alles gibt und so sein Publikum durch alle emotionalen Höhen und Tiefen jagt. Standing Ovations, eine glückliche Ansprache des Sängers, in der er das Schubertiade-Publikum als das beste der Welt lobt, und drei Zugaben, mit Humor präsentiert. 2026 ist Bostridge nicht im Programm, eine Entscheidung, die nicht von ihm ausging, wie er mir sagte.
Am Mittwochnachmittag präsentierte sich Julius Drake in einer neuen Rolle, als Duopartner mit seiner Pianistenkollegin Elisabeth Leonskaja. Es sei der erste wichtige Auftritt der Beiden in dieser Formation, sagte mir Drake. „we are not married, but we are very good friends“, meint er lachend auf die Bemerkung, dass Klavierduos normalerweise entweder Geschwister oder Ehepaare sind. Julius Drake lässt galant der großen alten Dame des Klaviers den „Primo“, den ersten Platz, außer bei der Zugabe. Und die Achtzigjährige legt eine ungeheure Energie vor und greift vollmundig in die Tasten, kann freilich auch glöckchenleichte Passagen formulieren. Franz Schuberts „Lebensstürme“, die Fantasie f-Moll, D 940 und die Sonate mit der Bezeichnung „Grand Duo“ spielten Leonskaja und Drake mit nimmermüdem Einsatz. Eine Zugabe bedankte den herzlichen Beifall des vollen Saales. Dankbar erwähnt werden muss, dass Elisabeth Leonskaja zu Beginn des Konzerts um eine Gedenkminute für den gerade verstorbenen Alfred Brendel bat. Dem folgte das Publikum gern und erhob sich geschlossen von den Sitzen.
Foto: Veranstalter
0 Comments