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Schubertiade im Juli: das Modigliani Quartett mit Brahms

Würden wir alle Kammermusikwerke, die Johannes Brahms je geschrieben hat, noch kennen, so würde die Reihe der Schubertiade-Abende, in denen nun das kammermusikalische Gesamtwerk des Hamburger Meisters zu hören ist, ziemlich lang sein. Denn Brahms hat mehrmals geäußert, dass er viele seiner Werke wieder vernichtet hat, beispielsweise an die zwanzig Streichquartette, die er vor den ersten veröffentlichten Opus 51 geschrieben hatte. Und später bemerkt er einmal, dass er mit unveröffentlichten Manuskripten sein Zimmer tapeziert hätte.

Nun kann die Schubertiade aber die Kammermusikwerke, die Brahms tatsächlich veröffentlicht hat, in loser Folge durch das aktuelle Jahr 2018 in Schwarzenberg und Hohenems bringen. Mit wechselnden Besetzungen und Ensembles, versteht sich. Am Donnerstag widmete sich im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems das Modigliani Quartett drei Werken von Brahms. Die vier jungen Herren aus Frankreich haben sich in der Klassikwelt einen tollen Status erspielt, und das nicht erst, seit sie als erstes Streichquartett im großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg musiziert haben. Sie sind bei der Schubertiade inzwischen schon Stammgäste und sehr beliebte dazu, was der frenetische Applaus bezeugte. Mit den beiden Streichquartetten Opus 51 begann dieses für die Hörer wie die Interpreten nicht einfache, aber überaus lohnende Programm. Die Modiglianis verströmen Fülle und Energie, und sie bereiten die für diesen Komponisten typischen dunklen Farben mit ihren kostbaren Instrumenten und ihrer so gereiften Spielwiese wunderbar auf.

Im zweiten Teil des Abends trat Nicholas Angelich zum Modigliani Quartett, um das sehr gewichtige Klavierquintett in f-Moll Opus 34 zu interpretieren. Die Anschlagskultur und Phrasierungskunst des amerikanischen Pianisten potenzierte den kostbaren Quartettklang, sodass sich Phasen von überwältigender Klangmacht ereigneten. Das Publikum, das leider den Saal nicht ganz füllte, wurde somit Zeuge einer Interpretation von überragenden Format. Die Vorfreude auf zwei weitere Brahms-Abende mit dem Modigliani Quartett im Oktober in Hohenems ist groß.

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