Die Semi-Oper von Henry Purcell „The Fairy Queen“ nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ hatte am Samstag Premiere in Sankt Gallen. Eine Produktion, die Einiges Schöne bietet.
(Bilder folgen)
Der Sommer des Jahres 2024 war verregnet. So waren von der Opernproduktion „The Fairy Queen“, die im Rahmen der Sankt Galler Festspiele auf dem Flumserberg stattfand, nur drei Vorstellungen möglich. Zu schade, um die schöne Produktion zu entsorgen, und so fand sie als Premiere im Abo Einzug ins große Haus. Auch auf dieser Bühne wähnt man sich in der Natur, durch die neu dazugekommene Waldkulisse, aber auch durch die Kostüme, die erdige Farben haben und die, vor allem bei Ballett und Chor, mit Fellen, Schwänzen und Hörnern, ziemlich tierhaft wirken. Sie stellen die Elfen dar, deren König Oberon mit seiner Gattin Titania (beide nicht zuletzt optisch beeindruckend: Christian Hettkamp und Chantal Dubs) im Streit ist, weil sie seine Macht an sich reißen will. Wie mehrmals in letzter Zeit in Sankt Gallen also wird die klassische Geschichte ins Frauen-emanzipatorische umgedeutet. Die österreichische Regisseurin Anna Bernreitner hat eine eigene Textfassung erstellt, durchaus legitim, denn in Purcells Partitur ist die Handlung nur angedeutet. So gibt es den Elfen Puck zweifach, Mario Venanzi und Wasillissa Serafin Gutzwiler brillieren mit tänzerischer Mega-Energie. Dann erleben wir den Poeten Jacques (beeindruckend gesungen von Countertenor Théo Imart), der ein Mensch ist, aber als einziger die Existenz der Naturgeister wahrnehmen kann. Er begleitet die beiden Liebespaare Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius, die im Wald Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen suchen, aber Verwirrung und Entfremdung finden. Helena wird zur zentralen Figur, vor allem sängerisch, denn Olivia Smith interpretiert ihre Gesänge wundervoll beseelt. Vielleicht gerade wegen ihrer aufrichtigen Gefühle trennt sie sich am Ende von ihrem zeitweise untreuen Partner Demetrius (Robert Bartneck mit schönem Tenor). Wenn auch die Sänger im großen Ganzen recht zufrieden stellten, so enttäuschte das Orchester auf weite Strecken. Durch die moderne Stimmung auf 440 Hertz klangen die Streicher scharf, und Dirigent und Cembalist Robert Howarth nahm vielfach zu rasche Tempi. So gab es dank der guten Leistung der Sänger und des Chors schöne Passagen, ein beglückender musikalischer Eindruck kam aber nicht zustande. Dennoch, auch wegen der geschmackvollen Bühne und der Kostüme (Hannah Oellinger und Manfred Rainer) eine besuchenswerte Produktion.
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