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Marcus Nigsch: Wanderer im Universum der Musik

In kein Schema zu pressen und über die Grenzen hinaus erfolgreich ist der Vorarlberger Komponist Marcus Nigsch. Am Mittwoch erlebt sein Cellokonzert durch Kian Soltani und die Wiener Symphoniker seine Welt-Uraufführung im Goldenen Saal des Musikvereins Wien, um dann im Rahmen der Bundesländertournee des Orchesters am 24.Januar auch in Bregenz zu erklingen.

Herr Nigsch, als junger Musiker hatten sie beachtliche Erfolge im Bereich der Popmusik, haben die Charts gestürmt. Was hat Sie bewogen, ein Kompositionsstudium bei Herbert Willi aufzugreifen?

Nun, das war ein langer und auch schmerzhafter Prozess. Es ist mir nach und nach klar geworden, dass ich lieber schöpferisch arbeiten möchte und weniger als Interpret. Und dann hatte ich das Gefühl, dass es zunehmend mehr um Erfolge und Verkaufszahlen geht als um künstlerische Qualität. Ich habe dann in Zürich Barockmusik studiert und gelernt, Fugen zu schreiben. Schließlich ging ich dann zu Herbert Willi ans damalige Landeskonservatorium in Feldkirch.

Aus der Klasse von Herbert Willi ist eine ansehnliche Schar von Schülern hervorgegangen, die sich aber in ihrer Art zu komponieren unterscheiden. Es scheint, dass er niemandem seinen Stil aufdrängt. Was hat er bei Ihnen wachgerufen?

Mit Herbert Willi verbindet mich mittlerweile eine Freundschaft. Wenn wir uns treffen, sprechen über Weltanschauliches, Philosophisches. Damals im Unterricht habe ich vor allem das Handwerk von ihm gelernt. Und ja, er hilft seinen Studenten, ihren ganz eigenen Ausdruck zu finden.

Nun liegt Ihr Studium ja eine Weile zurück und Sie sind sehr erfolgreich, sowohl in der Konzertmusik als auch in der Filmmusik. Ist diese Bandbreite so etwas wie Ihr Markenzeichen?

Vor allem ist sie notwendig, wenn man vom Komponieren leben will, außer man unterrichtet. Aber ich bin auch froh darüber, so breit aufgestellt zu sein, das Universum der Musik zu durchwandern. Musik ist die universellste Sprache, die die Menschheit hat. Sie hat unendlich viele Farben, unendlich viele Schwingungen, und die alle interessieren mich.

Wenn man Ihre Webseite anschaut, so wird klar, dass sie sehr eingehend mit elektronischen Mitteln arbeiten.

Das ist bei der Filmmusik unerlässlich.

Kommen im aktuellen Cellokonzert „Versus“, das wir bald in Bregenz hören werden, auch elektronische Instrumente vor?

Nein, nur die klassischen Orchesterinstrumente: Aber natürlich fließt meine Erfahrung mit der Elektronik in die Komposition ein. Das Werk würde anders klingen ohne diese. Beispielsweise kommt eine Stelle im dritten Satz wie in Trance daher, minimalistisch und ganz diffus. Und übrigens finden sich immer noch Spuren meiner früheren Erfahrungen mit der Popmusik.

Also keine Neue Musik, vor der sich das Publikum fürchten muss?

Es ist mein Anliegen und übrigens auch das der Wiener Symphoniker, dass unsere Musik die Menschen anspricht, bewegt. Ich möchte keine Musik schreiben, bei der im Konzert nur eine Handvoll Menschen zuhört.

Haben Sie mit Kian Soltani, der das Solocello spielt, das Werk zusammen erarbeitet.

Ja, ich habe einige Tage bei ihm in Wien gewohnt, eine richtige Männer-WG (schmunzelt). Ich hatte ein eigenes Zimmer zum Komponieren, und wir sind immer wieder zusammengekommen und haben ausprobiert, was ich geschrieben habe.

Und nun fahren Sie nach Wien, um bei den Proben dabei zu sein.

Das ist wichtig für mich, Klänge die bisher nur am Papier existierten, zu hören. Und ich freue mich schon darauf, die Bundesländertournee zu begleiten und bei den Konzerten in Graz, Salzburg und schließlich Bregenz dabei zu sein.

Sie haben Familie, einen Sohn im Volksschulalter. Anderseits ist Komponieren eine hochkonzentrierte Tätigkeit. Wie gelingt Ihnen der Spagat?

Ich versuche, so viel wie möglich mit meinem Sohn zusammen zu sein, auch weil ich selbst ohne Vater aufgewachsen bin. Ich kann gut in der Nacht komponieren, stehe manchmal um drei oder vier auf, um zu arbeiten. Wenn man ein paar wenige kreative Stunden am Tag von Gott geschenkt bekommt, so darf man schon glücklich sein. Und oft schwinge ich mich auf mein Rennrad und fahre ins Appenzell oder ins Große Walsertal. Dabei wird der Kopf wieder frei und es kann Neues geschehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto Florian Lechner

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