Bevor mit zwei Polkas von Johann Strauß die wienerische Lebensart ins Festspielhaus Bregenz einzog, gaben sich die Wiener Symphoniker (das Bregenzer „Festspielorchester seit Anbeginn“) mit ihrem Programm der alljährlichen winterlichen Bundesländertournee kosmopolitisch. So führte das Programm von Wagner über Prokofjew ins London Edward Elgars, und der Solist des Violinkonzertes war der Kosmopolit Augustin Hadelich, der Dirigent Alexander Soddy. Dieser 1981 geborene britische Dirigent, der in Österreich lebt, war die Sensation des Abends. Wunderbar, mit welcher Ruhe er das Konzert mit Ricard Wagners Tristan-Vorspiel und „Isoldes Liebestod“ anging, mit welch großem Atem – Soddy hat eine Gesangsausbildung – er die machtvolle Steigerung aufbaute. Nach diesen beeindruckenden Konzertbeginn kam mit Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr.2 in g-Moll eine ganz neue Klangwelt auf. Entstanden in einer Umbruchsphase des Komponisten und uraufgeführt 1936, richtet es sich nach einer Art Neoklassizismus. So sind die Ecksätze rhythmisch orientiert, der Mittesatz hingegen schwelgt in berückender Melodik, so als würde man Zeuge einer Liebesszene zwischen Romeo und Julia – dieses berühmte Ballett Prokofjews entstand nahezu zeitgleich. Augustin Hadelich fand auf seiner kostbaren Geige, einer Guarneri del Gesù, den richtigen Zugang zu diesem Konzert, spielte rhythmisch pointiert und schlank, doch, wo es sein sollte, ließ er den Ton aufblühen. Das Publikum reagierte begeistert und wurde mit einer Zugabe des Solisten bedankt. Wirklich mitreißend jedoch gelang das Werk nach der Pause, den Enigma-Variationen von Edward Elgar. Hier konnten die Wiener Symphoniker, die sich in Hochform präsentierten und sich offenbar mit dem Dirigenten Alexander Soddy bestens verstanden, noch einmal alle ihre Trümpfe ausspielen: wunderbare Soli, ein sensibles Zusammenspiel bei großer Orchesterbesetzung dank der engagierten Führung des Dirigenten und ein Klang, in den man sich rückhaltlos hineinfallen lassen konnte. Doch bei aller Internationalität an diesem Abend kam dieses Konzertprojekt schließlich aus Wien, und so gab es als Zugaben gleich zwei Polkas von „Schani“ Strauß, die „Annen-Polka“ und der „Vergnügungszug“ mit originalem Signalton. Fuhren die Wiener Symphoniker etwa nach diesem letzten Konzert ihrer Bundesländertournee, die sich auch nach Linz und Salzburg führte, umweltfreundlich mit dem Zug nach Hause? Wäre sympathisch!
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