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Philippe Herreweghe: Ein Pionier des Originalklangs beim Bregenzer Meisterkonzert

Das erste Bregenzer Meisterkonzert der Saison 2025/26 brachte die Wiederbegegnung mit Philippe Herreweghe, einem der Pioniere des Originalklangs. Als 23-Jähriger gründete er das Collegium Vocale Gent, das sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Unter anderem die von Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt, die damals sämtliche uns überlieferte Bachkantaten einspielten (ein Projekt, das ins Guiness-Buch der Rekorde Einzug fand). Sie luden das junge Ensemble zur Mitwirkung ein. Dieses, natürlich nicht mit den selben Sängerinnen und Sängern, gastierte in Bregenz mit dem Requiem in c-Moll von Luigi Cherubini. Dieser Komponist war zu seiner Zeit hochgeachtet, besonders von seinem Zeitgenossen Beethoven, der sich dieses Requiem zu seinem Begräbnis wünschte. Der Höhepunkt des Bregenzer Konzertes war jedoch die Interpretation Philippe Herreweghes und des ebenfalls von ihm ins Leben gerufenen Orchestre des Champs Elysées, wo man seine Nähe zu Harnoncourt wahrnahm. Die Deutung Harnoncourts kenne ich nicht zuletzt deshalb so gut, da ich in Salzburg im Jahr 1992 eine Probe mit dem Maestro miterleben konnte, wo er fast zwei Sunden mit dem Chamber Orchestra of Europa an Beethovens Eroica feilte. Konzertmeister war damals übrigens Gérard Korsten.

Nun meine Eindrücke vom Konzert in Bregenz:

Niemand weiß, wie die Musik zur Zeit eines Bachs, Mozarts oder Beethovens wirklich geklungen hat. Auch die großen Erneuerer des Originalklangs wie Nikolaus Harnoncourt oder Philippe Herreweghe nicht. Letzterer war am Donnerstag beim ersten Bregenzer Meisterkonzert der Saison im Festspielhaus zu Gast, mit den beiden von ihm ins Leben gerufenen Ensembles, dem Collegium Vocale Gent und dem Orchestre des Champs-Elysées. Der 1947 geborene Herreweghe gründete das Collegium Vocale Gent 1970, das Orchestre des Champs Elysées 1991. Nur mit dieser langjährigen Verbundenheit ist es zu erklären, dass dieses Konzert gut, mehr noch begeisternd gelang. Denn die Aktionen des Dirigenten waren geradezu minimal, über weite Strecken nahm man lediglich Bewegungen des Unterarms und der Hände war, oft über Takte nicht einmal das. Und das bei einer so großen Symphonie wie Beethovens „Dritter“, der „Eroica“ und nach der Pause dem Requiem in c-Moll von Luigi Cherubini für Orchester und vierstimmig gemischtem Chor. Diese Totenmesse wird in unseren Breiten selten aufgeführt, wohl weil sie an Farbigkeit und Dramatik nicht an die großen Werke der Gattung von Mozart und Verdi herankommt. Doch das war im Sinne Luigi Cherubinis, der, dem Stil der Reformopern Christoph Willibald Glucks folgend, auf Schlichtheit setzte. Vor allem gilt dies für den Chorsatz, den das Collegium Vocale Gent klangschön gesungen hat, wobei etwas mehr Arbeit an der Textverständlichkeit nicht übertrieben gewesen wäre. Das Orchestre des Champs Elysées spielte wundervoll. Als eines der ersten französischen Orchester des Originalklangs verwendet es Naturhörner und -trompeten , Traversflöten und harte Paukenschlegel. Zusammen mit dem tendenziell vibratoarmen Spiel der Streicher ergibt das eine ganz neue Klangbalance, in der die Hörner wirklich schmettern, der Flötenklang sehr weich ist, hingegen die Pauken richtig knallen können. Der „Eroica“ Beethovens, die das Orchester unter Philippe Herreweghe vor der Pause spielte, verlieh das eine durchaus ungewohnte Klangwelt. Wie immer man über den verborgenen Inhalt dieser Sinfonie denkt, Ausdruck und Dramatik bestimmten hier das Geschehen, aber im Gegensatz dazu auch Weiches und Zartes. Ein Höhepunkt nicht nur dieses Konzertes!

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