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Schubertiade: Kammermusik und ein Tenor

Das Kammerkonzert des Belcea Quartets aus London und der Liederabend des Leipziger Tenors Patrick Grahl waren verbunden durch die Tatsache, dass wenig Schubert erklang, aber jeweils Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Belcea Quartet eröffnete sein Programm am Montagnachmittag mit zwei der kaum gehörten „Vier Stücke für Streichquartett“ von Mendelssohn. Die kontrapunktisch gearbeiteten Stücke waren eine ideale Vorbereitung zum ersten Hauptwerk des Programms, Beethovens Quartett in F-Dur Opus 135. Es ist das letzte abgeschlossenen Werk des Meisters, hat aber dennoch einen positiven, ja vielleicht sogar humorigen Charakter. Die Anekdoten, die mit der dem letzten Satz verbunden sind, zeigen das. Denn Beethoven hat ihn, aus welchem Grund immer, überschrieben mit „Der schwer gefasste Entschluss: „Muss es sein? Es muss sein!“ Die vier Musiker des Belcea Quartets arbeiteten diese Lebhaftigkeit und den rhetorischen Gestus wunderschön heraus, fanden aber im langsamen Satz zu metaphysischer Weihe. Eine großartige Interpretation, die bestätigt, was sie mir ihrer Gesamteinspielung aller sechzehn Beethoven Quartett schon gezeigt haben, nämlich dass sie wie wenige Zugang haben zur Ausdrucktiefe Beethovens und überhaupt eines der besten, wenn nicht das beste Streichquartett derzeit sind. Dieser gesamte Beethovenzyklus erklang übrigens 2012 auch live in Schwarzenberg.  Mozarts „Dissonanzenquartett“ rundete das Konzert. Kaum lehnte sich die Deutung der Vier an die Historische Aufführungspraxis an. Vielmehr vernahm man vollendetes Legato, vor allem bei der Primaria Corina Belcea. Aber man spürte auch eine flockige Leichtigkeit und eine Behutsamkeit, die sämtliche Stimmen in Acht nahm. So erfreute man sich gerne am Klang der zweiten Violine von Suyeon Kang, der Bratsche von Krzysztof Chorzelski und dem Cello von Antoine Lederlin.

Auch der Liederabend am Dienstagnachmittag begann mit Mendelssohn. Während Tenor Patrick Grahl alle weiteren Programmpunkte begeisternd erfüllte, fand er für dessen Lieder nicht den Ton. Glaubte er vielleicht an das Vorurteil, das dieser Komponist schulmäßig schrieb oder war er noch gehemmt? Wie auch immer, mit Liedern von Johann Vesque von Püttlingen (geb. 1803) – übrigens eine Persönlichkeit mit spannender Biografie und bemerkenswerten Kompositionen – sang er sich frei und zeigte Humor und Textdeutlichkeit. Bei ausgewählten Liedern von Schubert und Robert Schumanns Dichterliebe, die nach der Pause folgten, fand Patrick Grahl dann zu einer stimmlichen und gestalterischen Kraft, die auf ihre Weise ideal zu nennen ist. Sein an Bach geschulter Tenor hat vielschichtige zarte Farben ebenso wie Volumen, seine Diktion ist sehr gut und seine dezente Mimik und Gestik wirken authentisch. Daniel Heide, mit dem Patrick Grahl häufig auftritt, war ihm ein wunderbarer Partner am Klavier, welches ja besonders bei Schumann eine wichtige Rolle spielt. Das Publikum feierte dieses überzeugende Konzert und wurde mit zwei Zugaben beschenkt, Schumanns „Mondnacht“ und Mendelssohns „Nachtlied“, beide nach einem Text von Joseph von Eichendorff.

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