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Schubertiade: Liederabende vergleichbar und doch sehr verschieden

Andrè Schuen und Konstantin Krimmel, beide Bariton und beide erklärte Lieblinge des Publikums, gestalteten die ersten Liederabende der August-Schubertiade in Schwarzenberg. Konstantin Krimmel und seinem Klavierpartner Ammiel Bushakevitz sind in dieser Woche in Schwarzenberg noch die beiden anderen Zyklen Schuberts anvertraut: “Winterreise” und “Schwanengesang”.

So viel Ähnlichkeit und doch sehr verschieden! So erlebte man die beiden Liederabende des ersten Schubertiade-Wochenendes in Schwarzenberg. Ähnlich war bei Andrè Schuen und Konstantin Krimmel das Stimmfach Bariton und die Tatsache, dass beide zwar Deutsch von Kind auf sprachen, jedoch auch andere nationale Einflüsse vorhanden sind. Und ähnlich ist, dass sie mit Daniel Heide beziehungsweise Ammiel Bushakevitz einen fulminant guten Klavierpartner haben. Sehr verschieden hingegen zeigte sich die Programmwahl und die Tatsache, die die Beschäftigung mit dem Gesang so spannend macht, nämlich das selbst bei gleichem Fach jede Stimme ihre individuelle Ausdruckswelt hat – eine der großen Reize der Schubertiade, dies so zeitnah studieren zu können. Der Ladiner Andrè Schuen hat mit Daniel Heide am Samstag ein für Schwarzenberg untypisches Programm mitgebracht, mit Liedern von Richard Strauss, Richard Wagner und Alexander von Zemlinsky. Erstgenannte hört man oft von lyrisch-dramatischen Frauenstimmen, denn sie fordern teils einen großen Stimmumfang und reiche Klangfarben. Das schien dem Sänger, der offenbar nicht in Hochform war, gewisse Schwierigkeiten zu bereiten, Natürlich bewältigte er dieses professionell, aber feine Ohren vermissten doch die Tragfähigkeit im Leisen und den Glanz in der kraftvollen Höhe. Superb spielte Daniel Heide den Klavierpart mit all seinen schillernden Facetten bei Richard Strauss und den eindrucksvollen Tonbildern bei Zemlinksy, dessen Lieder eine echte Entdeckung waren. Den herzlichen Beifall bedankten die beiden Publikumslieblinge mit zwei Zugaben, „Zueignung“ von Strauss und „Entflieh mit mir“ von Schumann. Am Sonntagabend sang Konstantin Krimmel, deutsch-rumänischer Herkunft, Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“, und mit Ammiel Bushakevitz hatte er einen Pianisten, der die vielen Klangmalereien plastisch ausformte und der ungemein achtsam dem Sänger zuspielte und ihn trug. Während der Bariton von Andrè Schuen eher dem Bassfach nahe ist, klingt Krimmel zuweilen fast tenoral. Eine ideale Stimmfarbe, um den in sich gekehrten Charakter des Müllerburschen zu zeichnen, der seine geliebte Müllerin an den forschen Jäger verliert und sich deshalb im Bach ertränkt. Eine bittersüße Geschichte, die Krimmel mit allen denkbaren Vokalfarben und mit nobler Körpersprache und Mimik erfüllt. Mit feinem Geschmack stattet er vor allem die Strophenlieder mit Verzierungen aus. Bei Schuberts Liedern eine inzwischen wenig geübte Kunst, aber historisch absolut vertretbar. Der große Jubel wurde mit einer Zugabe bedankt, Carl Loewes „Süßes Begräbnis“.

 

 

 

Foto: Schuen und Heide beim Proben, Webseite der Künstler

Krimmel, Webseite des Künstlers

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