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Schubertiade: Brüder Jussen und Christian Gerhaher mit Gerold Huber

Große Interpretationskunst in Hohenems

Mit dem Klavierduo Jussen und dem Lied-Duo Christian Gerhaher und Gerold Huber erlebte die Schubertiade zwei herausragende Konzerte.

Am Samstagnachmittag wurden im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems sogar Sitzreihen eingezogen, um dem Publikumsandrang gerecht zu werden. Lucas und Arthur Jussen gastierten, ein Brüderpaar aus Holland, das vierhändig am Klavier nicht nur hervorragend spielt, sondern auch in ihrer speziellen Art für Furore sorgt. Da zeigt es sich, dass das Schubertiadepublikum längst nicht mehr so fixiert ist auf die deutsche Frühromantik wie ehemals, denn eine Bearbeitung der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg eröffnete das Programm. Der Klassikhit „Morgenstimmung“ klingt im originalen Orchestersatz freilich zauberhafter, doch mit „Anitras Tanz“ und den wilden Gnomen „In der Halle des Bergkönigs“ hatten die Jussen-Brüder das Publikum für sich gewonnen. Es folgte Schubert, so subtil wie dramatisch aufbäumend interpretierten sie die Fantasie in f-Moll und das „Grand Rondeau“. Mit Sergej Rachmaninows selten gespielten und sehr schönen „Six Morceaux“ endete das offizielle Programm, jedoch nicht das Konzert. Denn das frenetisch jubelnde Publikum bekam noch zwei Zugaben zu hören: Bachs wundervolles „Schafe können sicher weiden“ (ein YouTube-Hit der Jussen-Brüder) und einen fingerflinken Rausschmeißer.

 

War dieser Konzertnachmittag geprägt vom jugendlichen Charme, so zeigte der Abend, in welch unfassbare interpretatorische Höhen sich ein nimmermüde forschender und singender Interpret aufschwingen kann. Gemeint ist der Bariton Christian Gerhaher, und in einem Atemzug ist sein Partner am Klavier Gerold Huber zu nennen. Die beiden gaben 1999 ihr Schubertiadedebut mit bereits damals stark ausgeprägten Ausdruckswillen. Dieser ist in all den Jahren gereift und veredelt worden, sodass das Publikum im Markus-Sittikus-Saal einen Abend von seltener Kostbarkeit erlebte. Ausschließlich Robert Schumann stand am Programm, dessen komplettes Liebschaften Gerhaher und Huber jüngst in elf CDs vorgelegt haben.  Vor allem die Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine sind den beiden auf den Leib geschrieben. Der Pianist hat in Schumanns Klaviersatz unendlich viele Möglichkeiten, in seiner Gestaltungskraft zu schwelgen, und Gerhaher hat immer neue Farben und Emotionen in seiner Stimme für diese subtilen Inhalte, die so oft zwischen Verzweiflung und Ironie angesiedelt sind. Besonders erleben konnte man diese in der vielfach gesungenen „Dichterliebe“, die selten so ausdrucksstark zu hören ist.

 

Foto: Schubertiade

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