Das bewährte Quatuor Modigliani und das junge Novo Quartet setzten den großartigen Schlusspunkt der Juni-Schubertiade in Schwarzenberg.
Um das Streichoktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufzuführen, braucht es zwei Quartettformationen. Diese waren bei der Matinee am Sonntag das französische Quatuor Modigliani und das dänische Novo Quartet. Beide Ensembles, die sich äußerlich und im interpretatorischen Zugang merkbar unterschieden, präsentierten sich im Konzertteil vor der Pause jeweils für sich. Die vier Herren, des Quatuor Modigliani, klassisch im dunklen Anzug mit Krawatte, wählten Haydns Quartett in F-Dur Opus 77/2. Auch ihre Interpretation kam klassisch herüber. Sie war dicht im Klang, wohlausgewogen und intonationssicher, jedoch kaum orientiert an der historisch informierten Spielweise. Das ist immer eine Geschmacksfrage und vielleicht auch eine Frage der nationalen Herkunft, denn der Geiger Renaud Capuçon ließ vor einer Woche ähnliche Gedanken aufkommen. Einen ganz anderen Eindruck machte das Novo Quartet, allein schon mit ihrem Outfit.
Die beiden Damen Kaya Kata Moeller, Violine und Signe Ebstrup Bitsch, Cello, trugen naturweiße Hosenensembles, die Herren Nikolai Vasili Nedergaard, Violine, und Daniel Sledzinski, Viola, zeigten sich in Taubenblau. Auch ihre Interpretation von Robert Schumanns Quartett in A-Dur Opus 41/3 ließ aufhorchen. Mit großer Ruhe, einem sehr eigenständigen, aber zutiefst überzeugenden Zugang spielten sie. Stets durchhörbar, ließen sie nicht im Entferntesten jenen kompakten Dauerklang aufkommen, den man oft bei Werken der Romantik hört. Bei Mendelssohns Oktett nach der Pause nahmen die beiden Geiger des Novo Quartets die Plätze der zweiten Violinen ein. Kaum zu glauben, dass dieses komplexe und originelle Werk von einem Sechzehnjährigen komponiert wurde, denn der Reichtum an Melodien und Virtuosität ist frappierend. Beim ersten Geiger des Quatuor Modigliani Amauty Coeylaux lag die führende Stimme, der besonders viel davon anvertraut ist, in besten Händen. Und auch der „symphonische Klang“, den der junge Felix sich dafür wünschte, stellte sich ein. Jedoch nie dick, sondern immer transparent – eine beispielhafte Interpretation und damit ein würdiger Abschluss der Juni-Konzertreihe in Schwarzenberg.
Foto Rita Kuhlmann
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